The Horrors

thehorrorsWas soll über eine Platte geschrieben werden, die einem eigentlich nur Lust macht, andere Scheiben aufzulegen? Die Horrors bringen leider viel zu selten etwas Eigenständiges mit in ihrer Musik. Sicher, das ist alles gut gespielt, toll produziert und die meisten Songs haben Substanz, aber irgendwie fehlt doch etwas. Mit jeder Sekunde, die diese Scheibe durchrotiert, steigt der innere Zwang, mal wieder „Unknown Pleasures“ oder „Loveless“ aufzulegen. Doch es ist nicht einmal nur die Nähe zu der Musik von Joy Division oder My Bloody Valentine, sondern zudem der Umstand, dass sich selbst die Songtitel schon an Joy Division anlehnen. „Do You Remember“, welches zumindest einen starken Anfang bietet, war damals “I Remember Nothing”, “New Ice Age” dürfte die Anlehnung an “Ice Age” sein und “I Can’t Control Myself” ist “She’s Lost Control” mit intradiegetischem Erzähler. Und genau dort liegt ein Knackpunkt, in manchen Songs wird zu viel Wärme erzeugt, die eher verstörend wirkt. Die eisige Kälte eines grauen und industriellen Manchesters fehlt einfach. Diese Distanz zum Hörer bekamen Interpol auf ihrem Debüt bisher noch immer am besten hin.

Trotzdem soll nicht unter den Tisch fallen, dass es sich hierbei um ein  Album mit durchaus soliden Songs handelt. „Primary Colours“ funktioniert mit größerem Hang zum Shoegaze, auch „Who Can Say“ weiß  gekonnt mit Keyboard und verzerrter Gitarre umzugehen. Am meisten herausstechen dürften daneben noch die Siebenminüter „I Only Think Of You“ und „Sea Within A Sea“. Hier wird vieles richtig gemacht, beide dürfen sich auf ihrer zeitlichen Fläche gleichmäßig verteilen und entfalten, ohne zu schnell ins wiederholende Moment abzudriften. Gerade der Schlusspunkt „Sea Within A Sea“ bekommt zum Ende eine Hektik, die sehr untypisch klingt für den gesamten Sound und kurz vor Toreschluss doch noch die letzte Möglichkeit nutzt, um sich mit tragenden Keyboards zu verabschieden.

„Primary Colours“ schlägt sich insgesamt ganz tapfer, ist aber dennoch weit entfernt von den begehrten Plätzen im Oberhaus. Die Horrors verknüpfen schamlos den Sound von My Bloody Valentine und Joy Division, ohne dabei eine störende Nahtspur zu hinterlassen. Gerade in den Momenten, in denen nicht zu sehr zu den Vorbildern  geschielt wird, hat die Platte ihre stärksten Momente. Ohne diese  bliebe nicht viel mehr zu sagen als „I Remember Nothing“.

5.7/ 10

Label:XL /Beggars

Referenzen:Joy Division, My Bloody Valentine, Editors, Interpol, The Jesus & Mary Chain, Blonde Redhead

Website: Website, Myspace

Spielzeit: 45:28

VÖ: 02.05.09

Ein Kommentar zu “Reviews: The Horrors – Primary Colours”

  1. […] The Horrors die verheißungsvollen, charakterbildenden Kanten von „Primary Colours“ ebenso wie die Seriennummern ihres Sounds abgefeilt haben, geriert ihr neues Album über weite […]

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