Schon seit Jahren bewegt sich die Welt unermüdlich auf den Abgrund zu. Nun, kurz vor Mitternacht, unternehmen Mono einen weiteren Versuch, sie zu retten und klingen dabei majestätischer als je zuvor. Schon die Titel der insgesamt sieben Songs weisen unmissverständlich darauf hin: Hier geht es nicht mehr um das Schicksal Einzelner, sondern um das große Ganze, um Gut und Böse. Um eine gewaltige Auseinandersetzung zwischen den Mächten, die alles andere zu verschlingen droht.

Der Prolog „Ashes in the Snow“ bereitet in seinem ersten Teil mit bedächtigem Cello- und Violinenspiel auf eben jene Auseinandersetzung vor, die schon im zweiten Teil durch mono- typische, offensivere Elemente eingeläutet wird. Es beginnt eine lange und beschwerliche Reise – jedoch immer mit Landkarte und Kompass. Und genau das ist das Herausragende an „Hymn to the Immortal Wind“. Mono spinnen ganz ohne Worte eine mitreißende Geschichte, die neben den den Songtiteln lediglich vom Auf und Ab der musikalischen Strukturen getragen wird. Ob nun die Trauer bei „Burial at Sea“, die Aufbruchsstimmung bei „Follow the Map“ oder die Rastlosigkeit während des Höhepunkts „The Battle to Heaven“: Die hervorgerufenen Assoziationen sind von besonderer Intensität und unheimlich dichter inhaltlicher Verknüpfung, in diesem Genre wohl zum ersten Mal seit dem legänderen „Lift Your Skinny Fists Like Antennas to Heaven“. Allein das Ende bleibt glücklicherweise offen. Es ist aber davon auszugehen, dass Mono diesen mystischen Kampf mit Hilfe der Naturgewalten für sich entscheiden konnten, wie auch immer die Welt nach dem Abschiedsgruß „Everlasting Light“ nun aussehen mag.

„Hymn to the Immortal Wind“ stellt einen Quantensprung für die Band dar. Mono waren schon immer für große Gesten gut, doch das Album geht dank seiner epischen Breite weit über die alltäglichen Erwartungen an Musik hinaus. Es warnt, verführt und spiegelt durch seine episodenhafte und mystische Atmosphäre eine unbekannte, prä-apokalyptische Welt wider, wie sie teilweise auch in der Final-Fantasy-Reihe mit den Händen zu greifen ist. Es bleibt eine Menge übrig. Zu Beginn des Jahrzehnts veröffentlichten Godspeed You! Black Emperor ein Genremeisterwerk, nun am Ende schließen Mono den Kreis. Ob auch das gesamte Kapitel, wird abzuwarten sein.

90

Label: Conspiracy/ Cargo

Spieldauer: 76:57

Referenzen: Yndi Halda, Explosions In The Sky, Red Sparowes, This Will Destroy You, Godspeed You! Black Emperor, Russian Circles, Skepticism

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 27.03.2009

11 Kommentare zu “Review: Mono – Hymn to the Immortal Wind”

  1. Pascal sagt:

    Besser konnte man es gar nicht auf den Punkt bringen, Felix;)

  2. florian sagt:

    bei godspeed halte ich ja noch immer das debüt für ihren meilenstein ;) aber dieses album ist so unglaublich gut..

  3. Uli sagt:

    Klingt so als wäre das eine Mischung aus You Are There und der (imo noch etwas besseren) nachfolgenden Zusammenarbeit mit World’s End Girlfriend, da bin ich mal gespannt.

  4. Atramhasis sagt:

    Schöne Rezension, geniales Album. Ich höre es gerade und kann es nicht fassen, wie es einen in den Bann zieht…
    Freue mich schon auf das Konzert.

  5. manuel sagt:

    eine frage an den rezensenten, welches godspeed meinst du mit meilenstein?

  6. Felix sagt:

    @manuel: Ich meine die „Lift Your Skinny…“. „f# a# oo“ finde ich ebenfalls überragend, aber insgesamt hat die „Lift…“ bei mir die Nase vorn (90 (!) Minuten ohne einen Hauch von Spannungsabfall).

  7. manuel sagt:

    sehr gut, die finde ich auch die beste von denen, dann bin ich erleichter:>

  8. […] White!), Digitalpop-Queen Grimes, die furiose Ty Segall Band, Drone-Mozart Tim Hecker, Deerhoof, Mono, Beak>, Julianna Barwick, Colin Stetson, Zammuto, Why? oder Matana […]

  9. […] White!), Digitalpop-Queen Grimes, die furiose Ty Segall Band, Drone-Mozart Tim Hecker, Deerhoof, Mono, Beak>, Julianna Barwick, Colin Stetson, Zammuto, Why? oder Matana […]

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