soap-skinUnter Wölfen

Die beißenden Winterwinde pfeifen aus dem letzten Loch. Eine kleine, aber bereits merkbare Note aufblühender Vegetation liegt schon in der Luft. Die unangenehme Jahreszeit ist bald aus. Doch die 18-jährige Österreicherin Anja Plaschg dreht mit aller Kraft am Thermometer, um dem Winter einen zweiten Frühling zu bereiten – mit Hilfe von 177 Tasten und einer Stimme so sanft wie eine Schneeflocke. Nur mit Laptop und Klavier trägt uns Soap&Skin ihre Leiden vor. Wie in so einem jungen Alter wohl ein derartiger Schmerz entsteht? Es sollte besser unentdeckt bleiben.

Das langersehnte Debüt der anmutigen Erscheinung ist nicht weniger als ein unangenehmer Hörgenuss. Was paradox klingen mag, manifestiert sich zum einen durch das an Sigur Rós angelehnte “Cry Wolf“ in nicht weniger als 3:47 min düster-violett flackernder Schönheit, so zerbrechlich, fragil, elfenhaft und viel zu schnell vorüber. Jeder Klavierton eines “Mr. Gaunt pt 1000“ trifft eine wunde Stelle und “Extinguish me“ mit seiner Wehmut und die bittere Abrechnung mit ihrer Kindheit in “Spiracle“ verleihen dem Album ein Maximum an Persönlichkeit. Leider sind die stärksten Stücke auf “Lovetune for Vacuum“ bereits auf den zwei Jahre alten Aufnahmen im Rahmen einer Fm4-Session vertreten, sodass die ganz großen Überraschungen ausbleiben.

Zu sehr bemühen sich Songs wie “Sleep“ oder “Thanatos“ zu berühren. Sie wollen sich öffnen, schluchzen, wehklagen, wimmern und zerbrechen letztendlich an sich selbst und einer überladenen Dramatik und Kühle, ohne bleibende Spuren zu hinterlassen. Auch die Soundspielereien aus dem Laptop, die ein Patrick Wolf viel effizienter einzusetzen weiss, wirken oft störend, verfremdend und lassen zum Schluss die Frage im Raum stehen, ob ein minimalistisches Klavier- und Streicheralbum, nur getragen von dieser gequälten Stimme, nicht zu so viel mehr im Stande gewesen wäre.

6.7 / 10

Label: PIAS

Referenzen: Björk, Patrick Wolf, Sigur Ros, Gustav, Múm

Spielzeit: 35:59

VÖ: 13.03.2009

Links: Homepage, Myspace

10 Kommentare zu “Review: Soap&Skin – Lovetune for Vacuum”

  1. Heiner sagt:

    …das an Sigur Ros angelehnte…völliger Unsinn !
    blöde,unzutreffende Rezension !

  2. florian sagt:

    ob zutreffend oder nicht liegt wohl immer im ohre des anhörenden. die stimme, die in diesem fall nun eher instrument als gesang ist, ließ diese assoziation sogleich aufkommen.

  3. Ursus sagt:

    Sigur Ros??? Da bin ich auch irritiert.

    Du liegst falsch mit der „Bemühtheit“. Das ist ganz großes Kino. 9/10.

  4. florian sagt:

    P.S.: höre „vaka“ und überlege, sofern du es überhaupt getan hast, nochmal. 6,7 ist weiss gott keine schlechte bewertung.

  5. isegrim sagt:

    nicht weniger als ein unangenehmer Hörgenuss??

    oder

    Sigur Rós angelehnt……?

    dieses album ist für mich jetzt schon eines der besten 2009!!

    schlage hör es wirklich an – sofern du es überhaupt getan hast.

  6. Pascal sagt:

    Hehe, nach Felix ist jetzt anscheinend der Flo dran;)

    Verstehe ja durchaus die Einwände, allerdings sollte man sich auch nicht unbedingt nur an dem Vergleich mit Sigur Rós festbeißen. Für manche eben eine herausragende Platte, für andere „nur“ eine gute. Ist doch alles im Rahmen;)

  7. florian sagt:

    sigur ros bezog sich nur auf diesen einen song. und das wird auch deutlich finde ich. außerdem: „angelehnt“, nicht „umarmt“. ich für meinen teil habe die fm4-session seit ihrer veröffentlichung rauf und runter gehört – mit begeisterung. wenn aber nunmal diese songs beinahe unverändert und komplett auf dem album erscheinen und dort zu den besten stücken gehören ist das für mich nun einmal enttäuschend. natürlich kann ich es nachvollziehen, dass man das album für DEN großen wurf halten kann, wenn man all die songs das erste mal hört, aber eine review ist und bleibt nunmal eine subjektive bewertung, von daher liege ich weder falsch, noch ist der text unpassend. er ist einfach nur ein ausdruck meines empfindens. naja und den „unangenehmen hörgenuss“ muss ich ja jetzt nun wirklich nicht erklären, oder?

  8. Bastian sagt:

    ich finds auch eher so nicht ganz überzeugend.

  9. Rinko sagt:

    für mich nur eines : schmerzhaft langweilig.

    evtl wäre die enttäuschung nicht so gross gewesen, wenn nicht die ganze indiepresse bereits im vorfeld heiligenkult um die junge dame betrieben hätte.

  10. Pascal sagt:

    Um der Diskussion neuen Zündstoff zu geben, zitiere ich mal die „DE: BUG“:

    „Dennoch keine Niedlichkeit, dann schon eher Sigur Rós aus Österreich.“

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