Plattenkritiken


Review: Parenthetical Girls – Entanglements (2008)

Die Parenthetical Girls sind keine Band, die es einem leicht macht, ihr seltsamer Orchester-Pop mit zahlreichen Verweisen von Neoklassik bis Avantgarde, von Kurt Weill bis Phillip Glass, ist ambitioniert und bisweilen ziemlich anstrengend und überfordernd. Es kann schon eine Weile dauern, bis sich einem die (manchmal verstörende) Magie hinter ihren Stücken vollständig erschließt. Eine Gemeinsamkeit, die sie mit vielen Künstlern ihres neuen Labels Tomlab teilen. Und auch das Cover, ein Mädchen im Profil, dem etwas schmerzhaft Stacheliges aus dem Mund zu wachsen scheint, das Ganze gemalt und in schwarz-weiss, sowie die Verbundenheit (aka MySpace Top Friends-Liste) zu Bands wie Xiu Xiu zeigen eindeutig in welche Richtung es hier geht.

Auf „Entanglements“ hatten die (((GRRRLS))) um Zac Pennington nun erstmals die Möglichkeit, ihren Traum von neuer (alter) Musik in vollem Umfang umzusetzen. Die clever genutzte Reduktion der vorangegangenen Veröffentlichungen ist hier einer kompromisslos aus dem Vollen schöpfenden Orchesterinstrumentierung gewichen. Leider schießen sie damit zunächst einmal meilenweit über jegliche Ziele hinaus. Das Zusammenspiel aus Orchestermusik und Penningtons exzentrisch leierndem Gesang nervt in seiner Operettenhaftigkeit erst einmal vielmehr, als dass es Spannung erzeugt. Menschen, denen die Kabarettästhetik – beispielsweise der Dresden Dolls – ein Graus ist, dürften auch hier schnell zuviel bekommen. Über beinahe die gesamte erste Hälfte wirkt das Album dann viel zu fragmentarisch und ungeordnet um wirklich fesseln zu können. Erst langsam beginnt es sich dann zu steigern und seine Stärken zu entfalten. „A Song For Ellie Greenwhich“ ist so ein erstes Highlight. Arrangements, Gesang und Song bilden hier eine mehr als gut funktionierende Einheit und später wie in „Abandoning“ oder „The Former“ stoßen die Parenthetical Girls dann sogar zeitweilig in die ganz hohen Sphären des Orchesterpops hervor, dort wo der frühe Scott Walker und Van Dyke Parks einsam über den Dingen schweben. Der absolute Höhepunkt ist aber der vorletzte Song, eine wirklich grandios herzerweichende Coverversion von „Windmills Of Your Mind“ vom französischen Komponisten Michel Legrand, bevor das Album dann mit “This Regrettable End“ nach nur 32 Minuten doch noch versöhnlich endet.

Insgesamt also eine etwas zwiespältige Angelegenheit, diese „Entanglements“, die ihrem Namen entsprechend (zu deutsch in etwa: Drahtsperren) holprig beginnen und erst gegen Ende ihre volle entrückende Schönheit offenbaren. Wenn die Girls aber auf ihrem nächsten Album da weiter machen, wo sie hier aufhören, könnte uns wirklich Großartiges ins Hause stehen, denn dass sie auch über die gesamte Strecke überzeugen können haben sie schon mit dem Vorgängerwerk „Safe As Houses“ eindrucksvoll bewiesen, das hierzulande leider viel zu spät und unbeachtet via Broken Silence veröffentlicht wurde und somit noch einmal ausdrücklich empfohlen sei.

6.7 / 10

Label: Tomlab / Indigo

Spieldauer:32:38

Referenzen: Xiu Xiu, Baby Dee, Final Fantasy, The Fiery Furnaces, The Dresden Dolls, Casiotone For The Painfully Alone, Van Dyke Parks, Kurt Weill, Steve Reich, Phillip Glass

Links: Homepage, MySpace

VÖ: 12. 09. 08


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Ein Kommentar zu “Review: Parenthetical Girls – Entanglements (2008)”

  1. [...] bei Penningtons Parenthetical Girls, Stewarts Xiu Xiu, Rupperts Inkarnation als This Song Is A Mess And So Am I oder aber den auch bei [...]

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