Der Samstag begann dann erst einmal mit einer kleinen Auseinandersetzung mit Andi. Sie wachte schon – warum auch immer – um sieben Uhr auf und konnte in ihrer Langeweile einfach nicht akzeptieren, dass ich bis knapp elf Uhr schlafen wollte. OK, es kann schon sein, dass ich um halb neun gesagt habe, „lass mich wenigstens noch ne halbe Stunde liegen“, aber ich kann doch – das sollte doch wirklich jeder akzeptieren – nicht für das verantwortlich gemacht werden, was ich im Halbschlaf von mir gebe;) Davon mal ganz abgesehen, hat es eh geregnet, was Dirk und Cowboy allerdings nicht davon abhielt, schon die ersten Kannen runterzuspülen. Für mich genoss allerdings etwas ganz anderes Priorität: Ich wollte einfach nur duschen. Nichts leichter als das, dachte ich, noch etwas grün hinter den Ohren, eben 1,50 Euro an der Kasse bezahlen und ne halbe Stunde später bei Dirk auf der Matte stehen. Nun gut, zuerst, damit konnte wirklich keiner rechnen, musste ich eine Stunde in der just in diesem Moment den Kampf gegen die Wolken gewinnenden Sonne in der Schlange ausharren, um dann auch noch gesagt zu bekommen, dass kein warmes Wasser mehr käme. Achja, vor den Duschen war übrigens so viel Schlamm, das eigentlich keiner sauber da wieder raus kommen konnte. Aber man war jetzt wenigstens wach;)

So war es dann schon früher Nachmittag, als wir in Richtung „Haldern City“ aufbrachen, um uns beim REWE mit dem dazugehörigen Haldern Frühstück zu stärken. Wir wollten natürlich nicht den normalen Weg nehmen, sondern glaubten uns inzwischen so gut auszukennen, dass wir bequem eine Abkürzung nehmen können. Dazu sei eine kurze Anmerkung vom Vortag erlaubt: Da hatten Andi und ich auch die grandiose Idee, uns entlang des Feldweges zu schleichen, um über den Bauernhof direkt zu unserem Zeltplatz zu gelangen. Das Ergebnis fiel leider nicht sonderlich positiv aus. Nachdem wir mindestens dreimal den verdutzten Bauern auf seinem Trecker gegrüßt hatten, dachten wir endlich den passenden Schleichweg gefunden zu haben, der zwar durch reichlich Kuhfladen führte, dann aber an dem gewünschten Punkt endete. Dummerweise war eben dieser Punkt mit reichlich Stacheldraht umzäunt und an Andis Reaktion beim Kontakt dieses Zaunes war auch deutlich zu merken, dass dieser unter Strom stand. Na gut, gehen wir halt wieder zurück, dachten wir uns, als just in diesem Moment böses Hundegebell zu vernehmen war. Den hatte der gute Bauer dann wohl mit beherztem Grinsen im Gesicht vor die Tür gesetzt, um mal nach dem Rechten zu sehen. Naja, um es kurz zu machen: Wir sind dann an anderer Stelle unter dem Zaun her gerobbt, mussten uns dafür schön auf dem nassen Rasen wälzen und konnten zudem kurz die Kühe begrüßen. Naja, dieses Mal sollte alles besser werden. Und was dann geschah, war eigentlich unglaublich: Ob es daran lag, dass wir so hilflos aussahen oder einfach nur bemitleidenswert, weiß ich nicht. Aber plötzlich hielt eine Mutter mit ihren zwei Töchtern neben uns und fragte, ob sie uns ein Stück mitnehmen sollte. Jeder von uns war doch reichlich verdattert, hatten wir doch alle 1-2 Kannen in der Hand, ziemlich dreckige Hosen an und sahen auch sonst wohl nicht sonderlich vertrauenserweckend aus. Nichtsdestotrotz hat uns die gute Frau – nachdem sie hinten die Sitze zurückgeklappt hat – bis zum REWE gefahren, wofür wir ihr mehr als dankbar waren. Da gab es dann endlich Gelegenheit, zu frühstücken. Und wie an diversen Bildern unschwer zu erkennen ist, wurde es für den ein oder anderen auch wirklich Zeit;) Und da wir nicht die einzigen waren, die Hunger hatten, traf man dann auch zufällig wieder auf Daniel und Richard, mit denen wir uns dann alsbald aufmachten, um uns bei herrlichem Sonnenschein die The Dodos anzuschauen.

Und obwohl mir die Live-Qualitäten der Dodos durchaus bekannt waren, fand ich es doch höchst erfreulich, dass es eine Band schon um diese Zeit schafft, das Publikum zu begeistern. Besonders „The Season“ und natürlich „Fools“ waren live die Lieblinge der Fans, die, getragen von der Energie der zwei Protagonisten Meric Long und Logan Kroeber – die für manche Songs von Joe Hanner unterstützt wurden – so langsam in die Gänge kamen. Da wir nun in der Tage zuvor nicht für möglich gehaltenen Mittagshitze tatsächlich den Drang verspürten, zumindest eine Weile in den Schatten zu gehen, bejubelten wir den tollen Showdown der Dodos, denen einzig und allein anzukreiden war, dass sie das von Richard und mir so gern gesehene „Joe´s Waltz“ nicht gespielt haben,  und verabredeten uns für Gravenhurst, die wenig später im Zelt wohl für das Highlight dieses Festivals gesorgt haben.

Es dauerte nur wenige Sekunden, da hatte einen der dieses Mal solo performende Nick Talbot von Gravenhurst so in seinen Bann gezogen, dass schlagartig eine ganz intime Stimmung im Spiegelzelt zu erkennen war, die besonders bei Richard so seine Spuren hinterlassen hat. Denn der zeigte gleich zu Beginn kurz auf seinen „muskulösen“ Unterarm, der im Prinzip nur noch aus einer ausgeprägten Gänsehaut bestand. Das Set umfasste sowohl Songs von den älteren Alben als auch vom letztjährlich erschienenen „The Western Lands“, die allesamt durch den so ruhig und schluffig vorne stehenden Herren mit seiner so dermaßen sanften und warmen Stimme nochmals ergreifender wirkten als im Verbund mit der kompletten Band. Grund zum Lachen bot er den Fans dennoch: Nachdem Nick so manches Mal mit seinem Pedal kämpfte, guckte er nur kurz hoch und vergaß für einen winzigen Moment seine innerliche Ruhe, trat mit aller Macht auf eben jenes Pedal und kommentierte das dann wieder recht nüchtern: „It likes to be treated rough“:) Auch der Abschluss des Gigs hat bei vielen seine Wirkung sicher nicht verfehlt. Dem doch so zauberhaften „Black Holes In The Sand“ wurde ein regelrechtes Noise-Gewitter – welches hier bei schlechter Bildqualität zumindest einigermaßen nachempfunden werden kann – angehängt, das seinesgleichen sucht und denjenigen ohne Ohrschutz die Tränen in die Augen trieb. Dabei ist es je keine Seltenheit, dass Schönheit und Schmerz derart nah beieinander liegen…

–> Teil 3

Ein Kommentar zu “Auf Touren: Haldern Pop 2008 – Teil 2”

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