DJ SnakeEncore
Keine Viralhit-Nostalgie: Genau wie unlängst schon Baauer auf seinem Album keine Liebe für „Harlem Shake“ mehr übrig hatte, bleibt auch das Debüt von DJ Snake frei von Lil Jons tiefst existentieller Frage. Das Zucken entfesselter Trap-Mutationen von „Turn Down For What“ war dennoch typischer für das Schaffen von William Sami Etienne Grigahcine als die Diplo-Zusammenarbeit „Lean On“, wo er mehr in den Vocal- und Snare-Spielchen erkennbar wurde. Ein Frankenstein-Beatgemisch mit Bro-Step, Miami Bass, Bounce oder eine Cartoonstimmen-Eskapade unterbrechen selbst manche der geschmeidigsten Dance-Pop-Nummern auf „Encore“. Nicht immer lässt sich dahinter eine deutlich eigene Handschrift ausmachen, weil sich Grigahcine seinen VokalistInnen derart anpasst, so dass auch der Bieber-Song wie manch ein anderer Bieber-Song der letzten Zeit klingt. „Encore“ wird dadurch gewissermaßen zum Gemischtwarenladen, allerdings einem sortierten, mit Jeremihs Ratchet-R’n’B oder Migos’ Atlanta-Rap in der Mitte, drumherum Popsongs und immer wieder ein inspiriert strunzdoofes Unding wie „Ocho Cinco“s Chipmunk-Gabber oder die wüst Drum-mutierenden „Propaganda“ und „Sahara“ mit Reggaeton- und verträumten Gleitsequenzen. Zudem zeigt seine Adaption von George Maples originalem „Talk Talk“, was Grigahcine über ein zeitgeistig tropischeres Housegerüst hinweg zu den Vocals bringt: Dem halb gehauchten Refrain fügt er eine zweite catchige Sequenz hinzu, in der sich Maples verfremdetes Gurren nach oben schraubt und eine Steel Drum die Melodielinie wieder nach unten zurückführt. Kreativ zu überraschen vermag dann sogar das Finale, wo Mr Hudson in einen perkussionswütig zerclubten M83-Verschnitt passt, als hätte er schon immer auf diese Chance gewartet.


