ZHUGENERATIONWHY

Mit schwülem Saxophongebläse nahm um die Jahrtausendwende schon Trip-Hop seine letzten Atemzüge im Neonlicht der Yuppie-Lounges, nun skizziert der Dance-Pop des Grammy-nominierten Festivalstars ZHU trotz höherer Beatfrequenz einen nicht minder durchdesignten Sound. Wo seine früheren Weichspüler-House-Singles wie „Faded“ und „Automatic“ noch den Floor anpeilten, streckt sich sein Debütalbum gleich mehrfach über dessen Rand hinaus. Besonders deutliches Gewicht auf Pop-Songwriting legt dabei „Hometown Girl“, das so schlimm vor Schmalz trieft wie die vereinten Bemühungen eines Ed Sheeran und James Blunt. Verantwortlich ist dafür vermutlich – es gibt keine offiziellen Albumcredits – Vokalist Jaymes Young, stimmlich prägender ist jedoch ZHUs dünnes Falsett, dem die Unterstützung ausdrucksstärkerer Sängerinnen im clubbigen „Secret Weapon“ und „Reaching“ gut bekommt. Neben dem Saxophon formt vor allem die softe Akustikgitarre In- und Outros oder den Sound des mehr als ein wenig von Aaliyah inspirierten „One Minute To Midnight“, nach einem Dub-Breakdown endet „Secret Weapon“ sogar in einem Gniedelsolo. Noch gelungener rüttelt „Palm Of My Hand“ an den Grenzen des sogenannt guten Geschmacks und überführt den gezupften Einstieg in einen New-Age/Nu-Disco-Trompetenhauch samt Streichern und französischem Spoken-Word-Finale. Selbst die ungewöhnlicheren Anfangs-, End- und Zwischensequenzen wirken jedoch meist angetackert, die 30 Sekunden Geldzählmaschine in „Money“ oder die Temposteigerung in „Hometown Girl“ sogar mehr wie Gimmicks als eine Vertiefung der so um Wirkung bemühten Ästhetik. Zwischen solch disparaten Konstruktionen, mäßigen Texten und mehr seichtem als deepem House gestaltet sich „GENERATIONWHY“ so trotz aller sanften Leichtigkeit unerwartet langwierig.

Einen Kommentar hinterlassen

Platten kaufen Links Impressum