Minor VictoriesMinor Victories
Wenn Mitglieder zweier der lautesten britischen Bands aller Zeiten gemeinsame Sache machen, kann dabei sicher auch ein reduziertes Lüftchen entstehen. Im Fall von Minor Victories ist jedoch, wie Mogwai-Gitarrist Stuart Braithwaite verschmitzt selbst zugab, das Soundbild erwartbar gipfelstürmerisch: Feucht-faserig komprimiert klatschen die Drums unter voluminösen Rauschefäden aus Gitarre, Streichern und Synth-Tapezierung, schon der alibihaft anschwellende Panoramabild-Rock von „Cogs“ oder „Higher Hopes“ kann sich aber mit den Vocals von Slowdives Rachel Goswell distinguieren, die über die Jahre an textureller Qualität gewonnen zu haben scheinen. “The Thief” nutzt vor der großen Eruption am Ende Justin Lockeys (Editors) Bassvolumen, um repetitiv nach innen zu ziehen, in „Folk Arp“ gerät die Dynamik sogar fast zur Nebensache, wenn sich ein Leuchtklang-Konglomerat aus Tremolo, Glocken, Piano, Geigen und Gesang entfaltet. Vielfältiger schleicht sich anderswo ein modernisierter 60er-Geist ein, wenn sich die Spector-Soundwand von „Scattered Ashes (Song For Richard)“ so komplex bombastisch geriert wie das letzte Raveonettes-Album oder „Breaking My Light“ durch Psych-Folk-Strophen wandelt. Wer gänzlich etwas Ungewöhnliches sucht, kann dies dann im Mark-Kozelek-Duett bei „For You Always“ finden – einer Kontrastvorstellung in etwa, als wäre ein beschwipster Kneipensänger in die Samstagsprobe eines Kirchenchors gestolpert.


