„It was always summer in my mind.“ Nostalgie im Pop kann auf mehr als nur der Stilebene fungieren: Eben das Wissen darum, dass sich die Magie einer verklärten Erinnerung in der Gegenwart nie exakt replizieren lässt, machen Niki & The Dove zum Motiv ihres zweiten Albums. Die meist in Doppelung maßvoll zurückgestellt-gehallte Nasalstimme Malin Dahlströms bittet noch „Bring your love back to me“, obwohl die Beziehung in „So Much It Hurts“ schon am Ende steht – rosige Erinnerungen verschleiern die Gegenwart. „There’s a song that I’m looking for/ nobody plays it nowadays/ But it made me so happy/ Now that’s all that I’m looking for“ heißt es gelungenerweise in einem doppeldeutigen Song, den man so rhythmisch verzogen, wattig und dennoch prachtvoll ebenfalls kaum im Programmradio hören wird, die Reverie „Miami Beach“ besingt unterdessen den Ort eines Erlebnisses ekstatisch verzückt, als wäre er selbst ein Mensch. Nach der gelegentlich zu aggressiven Grellheit des Debütalbums „Instinct“ nimmt sich „Everybody’s Heart Is Broken Now“ voller „Tango In The Night“-Träume (freilich klingt der Electro-Pop des schwedischen Duos nicht tatsächlich wie Fleetwood Mac zu irgend einer Phase) lauwarm bis schwül klimatisiert auf Seiten der Synths zurück. Weniger offensichtlich sind dagegen die findigen Saitenläufe prägend: Unternehmen Bass wie auch Gitarre beim Saint-Etienne-haften „Coconut Kiss“ verspielte Ausflüge im Tropenbeat, stricken sie auf „You Stole My Heart Away“ engen Groove und machen „Ode To Dance Floor“ zum elegischen Disco-Finale des souligen letzten Albumdrittels. Sehnsüchte nach Unerreichbarem („You Want The Sun“) und Vergangenem, zu Enttäuschung führende Hoffnungen, für solche inneren Verhandlungen bildet dieser warme Pop in grandiosen Songs ein formidables Vehikel.

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