Eine ganz besondere Platte mit der einfachen, aber höchst wirkungsvollen Struktur unterschiedlicher Hälften: Fatou Seidi Ghali, eine der wenigen Gitarristinnen unter den nordwestafrikanischen Touareg, spielt über meist monotoner Bassnote in sich gekehrt auf der Akustikgitarre, das Einlullen der zwischen Reptition und Variation wechselnden Melodiezirkel mit ihrer beruhigenden Stimme noch verstärkend. Drei Minuten reichen ihr dafür aus, doch dass der fünfte dieser Songs doppelt so lang ist, lässt ihn umso vertiefter in die aus nur einem Stück bestehende zweite Hälfte von „Les Filles De Illighadad“ überführen. Dort spielt Ghali zusammen mit ihrer Cousine Alamnou Akrouni die Zweihandtrommel Tende, begleitet von Klatschen, festivem Gesang und trällernden Ausrufen, in die Umstehende bald lachend einstimmen. Christopher Kirkley vom Sahel-Sounds-Label nahm die Musik der beiden bei einem Besuch in ihrem ländlichen Heimatdorf Illighadad in Niger auf, dabei ergab sich die Trennung eigentlich aus einer dokumentarischen Logik: die Gitarrenstücke werden tagsüber unter freiem Himmel gespielt, bei einbrechender Dunkelheit wird die Tende ausgepackt. Von der potentiell stundenlangen Darbietung kann die 18-minütige Aufnahme nur einen Ausschnitt bieten, doch überträgt sich im hohen Tempo auch schnell die kollektive Euphorie, die zur vorangegangenen stückweisen Ruhe einen wunderbar stimmigen Gegenpol bildet.

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