WoolfPosing/Improvising
Das Londoner Ausnahmelabel La Vida Es Un Mus beweist sich mit Woolfs zweitem Minialbum einmal mehr als erste Adresse für höchst originelle Hardcore-Entwürfe mit unbequemem Kern. Auf „Posing/Improvising“ betreibt das englische Quartett eine radikal-protestgefüllte Punkdekonstruktion, die durchaus vergleichbar ist mit der Praxis moderner Gastronomiestars, traditionelle Gerichte kunstvoll zu rekonfigurieren: Die Grundzutaten sind die selben und auch als solche erkennbar, doch in einer Weise unterschiedlich zum gewohnten Prozedere behandelt und zusammengefügt, dass sich neue Wirkungsmöglichkeiten aufschließen. Mit nur einem launischen Bassanschlag pro Takt wird „Out Of Body“ zu einem impotent wütenden Thrashen, das nicht zusammenfinden will, ein breit angelegtes Gitarrenröhren mit konventionellem Moshpit-Blick eröffnet „Shifting“, nur um sich mit einem postpunkig-nowavigen Stolperbeat konfrontiert zu sehen. „Helsinki Salg“ eskaliert über seine typisch kurze Spielzeit von unter einer Minute so wirr, dass es amateurhaft-inkompetent wirken könnte, wenn der Anfang nicht so einen gekonnten Shout-Groove vorgesetzt hätte. Woolf protestieren gegen ein England, dem für den Sozialabbau und die Begünstigung Besserverdienender immer wieder neue Methoden einfallen – warum sollte es die Musik anders halten?


