FKA twigsM3LL155X EP

Was auch immer Tahliah Barnett musikalisch fabriziert, wird zu Gold. Nun reiht sich an ihr Debütalbum „LP1“ und ihren nicht minder gelobten EPs „EP1“ und „EP2“ ihr neuestes Werk: „M3LL155X“, oder einfacher „Melissa“. Was kann nach solch einem fulminanten Start noch kommen? Die Erwartungen sind ganz klar hoch, doch beirren lässt sich FKA twigs nicht und zeigt auf ihren fünf neuen Tracks, warum die Lobeshymnen nicht abreißen sollten.

Wenn wir von FKA twigs‘ neuer EP sprechen, müssen wir eigentlich von Melissa sprechen. Wie sie selber angibt, ist das ihre „personal female energy“, aber nicht im Sinne eines Alter Egos, sondern um die EP von ihr als Person abzugrenzen. Egal von wem wir denn nun reden, bleibt die Stärke aber immer noch der Reiz, der jedem Song innewohnt und ihn aufregend macht. Eine beliebige Pop-Formel wird dabei nicht durchexerziert, dafür besitzt jedes Stück eine zu eigene Persönlichkeit und probiert sich immer wieder aufs Neue aus. So diffus beschrieben das ist, so deutlicher fühlt man es in der Musik – für die Wirkung braucht es nicht mal den gleichzeitig veröffentlichten Kurzfilm, der eine großartige visuelle Untermalung darstellt.

Der Düsternis und dem Geheimnisvollen verpflichtet, bleibt FKA twigs auch auf ihrer dritten EP ihrem Charakter treu. Dennoch ist sie in ihrer Verpflichtung nie eingeschränkt, sie weiß über Verzerrungen der Realität und Rhythmik das Beste aus sich und ihrer Klangästhetik herauszuholen. Was vielleicht schnell zu einer Überladung führen könnte, vermag sie so anzuordnen, dass es nie zu viel wird. Ihre Soundsphären bleiben in einer klanglich sehr kantigen und prägnanten Form, die zusammen mit ihrem kindlichen, fast zarten Gesang eine unverwechselbare Harmonie ergibt.

Direkt zu Anfang spart „Figure 8“ nicht an Bässen, brummenden Beats und Unruhegeräusch, jedoch mischen sich hier auch hellere Klangschnipsel unter, so dass der Gesang gar nicht im Fokus stehen muss, um dem Song eine twigs‘sche Nuance zu verpassen. Auch wenn der zweite Track „I’m Your Doll“ sehr verhalten anfängt und erneut gar nichts an Schnelligkeit mitbringt, genügen die mit Hall versetzte, oft mit Effekten verzerrte Stimme und die ungreifbaren Sounds aus, um ein umschmiegendes Gebilde zu formen, das zwar in einer Form schmachtend, aber nie pathetisch erscheint.

Auch im weiteren Verlauf bietet die EP viel zu entdecken und oft fehlen treffende Bezeichnungen, um Wirkung und implizierte Emotionen darzustellen. Trotz Wiedererkennungswert schafft es ihr spezieller Sound zwischen Dunkelheit, technoiden Effekten und hauchender Stimme, jeden Takt einzigartig zu gestalten. Das Wort „Ausnahmekünstlerin“ erscheint im Fall von FKA twigs nicht weit hergeholt, sondern Tatsache. So werden auch neue Genrebezeichnungen wie „Future R’n’B“ oder Post-WasAuchImmer überflüssig, die sie einer Kategorie unterwerfen würden.

Pausen in den Tracks, Hall auf der Stimme, Rhythmik, zwischendurch Vocalschnipsel, Repetition – besonders dieses in der Dunkelheit Ausharrende macht FKA twigs anhaltend interessant. Die konsequente Weiterführung ihrer fast schon unheimlichen Ästhetik schließt „M3LL155X“ nahtlos an frühere Veröffentlichungen an. Und das ist auch gut so.

Ein Kommentar zu “FKA twigs – M3LL155X EP”

  1. Da musste ich doch sogar noch einmal meine best-of-Liste umschreiben;-)
    FKA twigs überzeugt mich immer wieder, wobei das eher nicht am Gesang liegt, der ist auch toll, was mich aber jedesmal abholt ist ihre Musik – die ist mehr als auf der Höhe der Zeit, in ihrer Ästhetik, Klangauswahl und Programmierkunst.

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