Eigentlich finde ich modernen R’n’B oder so genannten Future-Soul schon per se eher schwierig bis unhörbar. Nicht selten wirken die unfassbar auf saubere Produktion und/oder unmittelbare Präsenz gedrillten Alben jener Genres fast schon aufreizend künstlich, dass man die namensgebende Seele oder den organischen Puls des Rhythmus mit der Lupe suchen muss. „Age Of Transparency“ hingegen strotzt so vor Eigensinn und Vitalität, dass ich meine klare Kante schon nach den ersten Takten auf den Prüfstand stellen musste.

Fangen wir aber noch einmal kurz ganz am Anfang an und widmen uns kurz Autre Ne Veuts selbstbetiteltem Debüt und der darauf befindlichen Single „Drama Cum Drama“, ein obskures, aus scheinbar weiter Ferne erklingendem Soulpop-Juwel, das damals deutlich zu wenig Beachtung bekam. Doch schon dort und auch auf dem folgenden Album „Anxiety“ gelang Ashin diese fordernde Unmittelbarkeit in seiner Musik, sei es in seiner bemerkenswert wandelbaren Stimme oder im förmlich körperlichen Aufbau seiner Arrangements. Auf „Age Of Transparency“ erreicht er eine weitere Stufe, in dem er seine Songs aus einer Art instinktiven Pathos zur Eskalation treibt.

Es ist bewundernswert, wie rhythmusbetont Ashin hier zu Werke geht und vor allem durch eine klangliche Vielfalt überzeugt. So beschleunigt und dynamisiert er seine begleitenden Beats in aufsteigenden Kopfstimmenpassagen und stellt ihnen Synthiesirenen daneben, obwohl er doch eigentlich einen eröffnenden Engelschor heilbringend vorangestellt hatte. Das hier angedeutete „Never Wanted“ ist typisch für die Konstruktion der Stücke des Albums, die sich häufig eines taktgebenden Grundgerüsts bedienen und dieses dann mit teilweise überraschenden Kehrtwendungen variieren und klanglich ergänzen. Das schleppende „Over Now“ lässt den anfänglich brummenden Kontrabass des Hintergrunds in einem infernalischen Noisegewitter verschwinden, doch kaum hat man sich an den Krach gewöhnt, lotsen flächige Sphärenklänge den Weg zurück in die Spur. Das abschließende „Get Out“ wiederum fällt gleich mit der Tür ins Haus, beruhigt sich aber nach einem ersten Vollakkord wieder, um dann mit choraler Unterstützung zum hymnenhaften Tausendsassa zu werden.

Trotz allen Beiwerks bleibt aber die Stimme Ashins die Hauptdarstellerin auf „Age Of Transparency“. Häufig gleichermaßen in den einzelnen Songs zwischen Brust- und Kopfstimme oszillierend und nicht selten auch ein wenig schnarrend im Abgang, gelingt es dem Songwriter, sie durch die zuweilen abenteuerlichen Melodieführungen zu navigieren. Im eröffnenden „On And On (Reprise)“ etwa, das fast minimalistisch startet, sich dann von einer hauchzarten Jazz-Fantasie in greifbare Ekstase verwandelt. Oder im fabelhaften Titelsong, dessen mysteriöser Anfang erst so gar nicht zum Rest des Albums passen will, dessen pastoraler Chorus dann aber nach großen Liveauftritten schreit und sich schon nach kurzer Zeit nach einem großen Publikum verzehrt. Auch das energische „Switch Hitter“ lotet die stimmlichen Grenzen Ashins aus, lässt ihn dabei zum Überschlag ansetzen, doch bleibt Autre Ne Veut hier ausnahmsweise deutlicher im konventionellen Popmodus. Am intensivsten wiederum zelebriert er seine erste Single „World War Pt. 2“ die allein schon durch die groteske visuelle Umsetzung besticht. Mit aufsteigender verfremdeter Stimme leitet er Chaos und Kreation gleichermaßen nebeneinander her und lässt eine ganze eigene Art vom Wirren und Wüten der Welt erscheinen.

„Age Of Transparency“ ist ein ungemein forderndes, einnehmendes Album, das selbst in den Ruhephasen kaum Pausen zulässt. Die sich stetig verändernden rhythmischen Bezugspunkte verlangen nach erheblicher Aufmerksamkeit, die nach einiger Eingewöhnung aber durchaus gehalten werden kann. Kein Album für jeden Tag, das sei gewiss, aber eine faszinierende klangliche Abwechslung für diejenigen, denen die aktuellen Genrereofferten keine Herausforderungen mehr bescheren.

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