DesaparecidosPayola
Conor Oberst jault. Sechssaiter zittern wie elektrifizierte Geigen. Knapp ein Jahrzehnt nach ihrem ersten Album hat sich Obersts Emopunk-Band Desaparecidos reaktiviert – zumindest textlich mit etwas weiter gefasstem Blick. Verband er auf „Read Music/Speak Spanish“ über die persönliche Erfahrungsebene auch für Außenstehende nachvollziehbar die Politik seiner Heimatstadt und einen Abgesang auf den amerikanischen Traum, ist „Payola“ atomarer und globaler. Hier wird Oberst selbst aus der erzählerischen Egoperspektive zum Rollenspielenden, springt thematisch wust vom Musikgeschäft in „Backsell“ zum „Slacktivist“ im nächsten Song, vom rassistischen Lynchmob in „MariKKKopa“ zur Cacerolazo-Romanze in „Te Amo Camila Vallejo“. Ähnlich zusammengeworfen kann das Album wirken, wie die in den letzten Jahren bereits als Singles erschienenen Songs daraus mehr durch die Lust am erneuten Zusammenspiel der Band statt aus einer Gesamtvision entstanden. An zündenden Momenten mangelt es ihr nicht, der Wut im Bauch sei Dank. Desaparecidos‘ Songs bleiben durch ihren synthig bestrichenen Gitarrensound ebenso besonders vital wie durch die Stimme Obersts, die sich so ungemein wankelmütig zur Eruption hochzuschwanken vermag.


