AdnaRun, Lucifer
Die Spatzen flüstern’s von den Dächern: Der „Loudness War“, das penetrante Schallwettrüsten der Musikstudios auf Kosten der dynamischen Ausdrucksfähigkeit, ist hoffentlich vorbei – oder scheint wegen neuer technischer Angleichungsmaßnahmen großer Streaming-Anbieter zumindest keine Zukunft mehr zu haben. Immer häufiger fallen so aktuelle Pop- oder Rock-Großproduktionen angenehmer aus als noch vor 5 Jahren, wohingegen die eigentlich weit intimer skalierte Schlafzimmerproduktion von Adna verkehrterweise dicker aufträgt als die neuen Songs einer Florence + The Machine. Weiterhin in Dämmerstimmung wird der Folkpop der in Berlin lebenden Schwedin über bedächtigeren, oft nur minimalen Beatimpulsen fraglos grandioser als noch auf ihrem letztjährigen Debütalbum, ungenügend differenziert wird ein dichter Sound wie der von „Living“ oder „Silhouette“ jedoch klobig bis unangenehm stechend. Die Gleichförmigkeit, mit der viele Songs auf „Run, Lucifer“ an Intensität zunehmen, fällt so zuerst nicht mal auf – aber vor allem deswegen, weil schon ein einzelner Pianoanschlag den Raum so lautstark füllt wie ein halbes Orchester am Songende. Schade, denn eine so elegant die Akzente wechselnde Melodie wie die des Titelstücks hat eine delikatere Feinabstimmung verdient.


