PollyesterCity Of O
Die Turmskulpturen in der marokkanischen Wüste mögen den Titel inspiriert haben, bis auf die retrofuturistischen „City Of Orion“-Instrumentals am Ende der A- und B-Seite hat das herrliche dritte Album von Pollyester aber nur noch wenig mit krautig-kosmischem Dahintreiben am Hut. Lieber widmet sich das Münchener Quartett dem Zwischenmenschlichen mit verstrahltem Funk und Disco-Exzentrik, die durch verschrobene Hooks einen ganz eigenen Charakter bewahren. So himmlisch die Synths auch werden, werfen selbst die samtigsten Momente spätestens im Gesang Reibungsstellen auf, wenn „Fall Out Of Love“ emotionale Vocals mit misstönigen Stimmharmonien und Keyboardwuseln kontrastiert oder „Jalousie“ in sein lässiges Italo-Arpeggio grelle Horrorsynths einflechtet. Die mittlerweile expandierte Liveinstrumentierung des ehemaligen Duos verleiht auch den munterer aufgelegten Songs ein dickes Plus an Dynamik: „2328628“ kann süddeutschdisco-cool durchaus dem New Yorker Pendant „15 To 20“ der doppelt so personalstarken Phenomenal Handclap Band das Wasser reichen, während „My Father’s Eye“ oder das mit „Oye, oye!“- und Bläser-Einwürfen hispanisierte „Catrina“ fast Alternativrouten auf LCD Soundsystems „45:33“ sein könnten – nur würde der neurotische Mr. Murphy nie derart im Groove aufgehen.


