Ramona LisaArcadia

Es passt, dass Ramona Lisa über den bloßen Namen von Caroline Polacheks Soloprojekt hinaus auch eine Kunstfigur ist, die als Alter Ego der einen Hälfte von Chairlift fungiert. Die größte Stärke ihres soften Popalbums ist nämlich gerade sein auraler Eigencharakter, „Arcadia“ manifestiert eine durchweg stimmige Klangwelt von nuancierter digitaler Irrealität. Zwischen Tänzeln und Taumeln vollzieht Polachek vom Morgentau benetzte Stimmläufe, die in derart mühelos wirkender Gleittechnik heikle Tondistanzen überwinden, dass beispielsweise „Dominic“ digital nachkorrigiert anmuten mag. Tatsächlich zielt sie aber so neben die perfekten Noten, dass ihre Stimme eine fantastisch unechte Qualität erhält, welche die komplett am Laptop entstandene Musik komplementiert. Sie ist auf angenehm enigmatische Weise merkwürdig flach und ungreifbar, nicht bloß durch einen einheitlichen Nebel-Verschmier-Knister-Effektfilter gezogen. Hits für die meistabonnierte Sommer-Indie-Playlist bietet „Arcadia“ kaum, soll es aber auch nicht: Lieber webt Ramona Lisa „Izzit True What They Tell Me“ in einer Art Traumlogik oder flechtet delikat Motive wie das des Titelstücks, die fast unbemerkt in mehreren Stücken auftauchen und subtil das Gesamtbild formen können.

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