Dass Sequenzen aus einem Gespräch mit einem Friedensaktivisten und Ex-Junkie auf ihrem Album Platz finden, einfach weil eben dieser Typ nach Bandaussage der unglaublichste Geschichtenerzähler überhaupt ist, lässt erahnen, dass Breton ihre Musik auf verschiedenen Ebenen transportieren. Es scheint, als spiele die Band in jeder Liedpassage mit Bildern; episch werden Emotionen aufgebaut, dramaturgisch sind die Tracks strukturiert. Nicht verwunderlich, da die Londoner doch eigentlich Filmemacher werden wollten, bloß verkauften sich ihre Soundtracks eben viel besser. Aus diesem Umstand ging ihr durchweg positiv rezipiertes Debüt hervor. Nun, ein Jahr später legen sie „War Room Stories“ nach und sind ein Stück mehr Band geworden, doch kein Stück weniger Soundtrackkomponisten.

Noch immer prägt die Stimme von Sänger Roman Rappak markant den Stil, noch dominanter drängt sie jetzt nach vorne und wird doch immer wieder in die dichten Melodien zurückgezogen. Rappak spielt mit einer abgebrühten Haltung, gibt sich stimmlich betont cool, ohne dabei jedoch in Gossenarroganz zu verfallen. Er schafft all das ohne Allüren – hier geht es ja auch nicht um ihn und seinen Egotrip, sondern um das Gesamtprojekt, das Experiment in den BretonLabs.

Den kratzigen Sound ihres Debüts hat die Band weitgehend hinter sich gelassen. Das mag daran liegen, dass sich mehr elektronische Sounds ins Album gemischt haben, die sowohl in altbekannte HipHop- als auch für Breton eher neuartige Dubstep-Richtung tendieren. Trotzdem haben sich Breton nicht von physischen Instrumenten verabschiedet und schlagen mit Gitarren und Schlagzeug Indieklang an – mit Geigen, Klavier und Blasinstrumenten frönen sie hier und da der Melancholie.

Den Versuch, „War Room Stories“ musikalisch konkret zu verorten, kann man sich allerdings getrost sparen. Sicher blitzen immer wieder Ähnlichkeiten zu anderen Bands auf: So hört man in „Got Well Soon“ eine Prise WhoMadeWho, „Search Party“ marschiert lebhaft in Richtung der lauteren Maxïmo-Park-Kreationen und der kantenlose Eröffnunggsong „Envy“ bedient sich – ähnlich wie Foals und Bombay Bicycle Club – am aktuell wohl sehr modischen Steel-Pan-Sound. Aber dies bleiben eben Ansätze, Breton reißen das Ruder immer wieder herum und machen mitten im Track dann doch einfach etwas ganz anderes. So auch in „Brothers“, das mit Klaviermelancholie und entfernt hallender Stimme einsteigt und sich dann in einen Indierave mit pumpendem Bass verdreht. Damit nicht genug: Nach zweieinhalb Minuten setzen funkige Gitarrenriffs und ein kleiner Chor ein. Spätestens jetzt sollte man nur noch genießen, denn verstehen wird und muss man das nicht. Zum Schluss schafft „Fifteen Minutes“ in knapp vier Minuten die Häutung vom leichten Indiegeplätscher zum rasanten Klangfeuerwerk, um dann schlagartig abzubrechen und in der Geräuschatmosphäre eines Hinterhofs im Sommer seine Ruhe zu finden.

Breton sind ihrer Linie nicht treu geblieben, aber haben sich auch nicht selbst verraten. Mit ihrem Debüt hatten sie sich klugerweise einen Weg mit viel Spielraum bereitet, den sie jetzt auskosten können. Im Vergleich zum Vorgänger ist das Album klarer, etwas strukturierter und hat stärkeren Popcharakter, doch ihre Experimentierfreude hat sich die Band nicht nehmen lassen. Hoffentlich haben sie noch nicht alle Spielwiesen am Wegesrand abgegrast, damit die freudige Erwartung auf kommende Schätze aus den BretonLabs befriedigt wird.

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