Grundsolide, aber nie im Vordergrund: Mit ihren bisherigen drei Alben bewiesen die vier Londoner von Bombay Bicycle Club, dass sie durchaus ansprechende Popmusik machen können. Trotzdem blieben sie stets im Schatten der erfolgreicheren Kollegen. Mit „So Long, See You Tomorrow“ soll sich das endgültig ändern.

Zeit dafür wäre es ja. Von 2009 bis 2011 veröffentlichte die Band per annum ein Album, auf dem sie sich mit einem anderen Sound beschäftigte und Experimenten nicht abgeneigt war. Für das neue Werk gönnten Bombay Bicycle Club sich eine kleine Pause, um schließlich genau dort anzukommen, wo sie hingehören: Zehn glasklare Popnummern gibt es hier, von der nach vorne stürmenden ersten Single „Carry Me“ mit ihren Foals-Anleihen bis zur melancholischen Ballade „Eyes Off You“, deren Herzschmerz auch in dem kleinen tosenden Mittelteil unumgänglich spürbar ist. Und dann wäre da ja auch noch das erste Highlight „It’s Alright Now“, das ein wenig an „Shuffle“ vom 2011er-Album „A Different Kind Of Fix“ erinnert, inklusive eines starken Features von Lucy Rose. „It’s alright now, I don’t wanna wait“ – wir auch nicht mehr.

„Luna“, der zweite Vorbote von „So Long, See You Tomorrow“, lässt die Messlatte dann auch gar nicht so schnell wieder sinken. Gemeinsam mit der sympathischen Newcomerin Rae Morris singt sich Frontmann Jack Steadman um Kopf und Kragen, das tropisch angehauchte Schlagzeugspiel sorgt für Urlaubsfeeling, die Hawaiihemden haben wir uns eh schon längst angezogen. Zu „Feel“ gibt es dann alsbald auch noch das Schirmchen für den Cocktail, während wir uns nebenher an unserer besten Bauchtanznummer versuchen.

„Whenever, Wherever“, nicht verwandt oder verschwägert mit Shakiras gleichnamigem Überhit, schaltet anfangs wieder einen Gang zurück, fährt im weiteren Verlauf aber schweres Geschütz auf, während die Symbiose aus Soul und Pop auf „Home By Now“ zeigt, dass weiße Jungs doch tanzen können – theoretisch zumindest. Mit dem Titeltrack „So Long, See You Tomorrow“ endet das Album schließlich und obgleich das Quartett vier Minuten vorgibt, dass ihnen kurz vor Schluss die Puste ausgegangen ist, wird doch nochmal richtig aufgedreht, bevor der Vorhang fällt. Wer Bombay Bicycle Club jetzt immer noch nicht die längst verdiente Aufmerksamkeit schenkt, sollte die Schuld möglicherweise bei sich selbst suchen – die Band jedenfalls hat hier eine Menge richtig gemacht.

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