Iron & WineBeast Epic

Schon sonderbar, wie sich Wahrnehmungen entwickeln. Beim ersten flüchtigen Hören von „Beast Epic“ erschien das mittlerweile fünfte Soloalbum Sam Beams wie ein umarmendes, watteweiches Folkwerk, das spielend ohne den souligen Überbau eines „Ghost On Ghost“ oder die illustren Verschachtelungen von „Kiss Each Other Clean“ auskommt. Mit mehrmaligem Hören wich diese Heimeligkeit einer gewissen Ernüchterung, da die elf neuen Stücke zwar ganz ausgezeichnet zueinander passen, aber sich eben auch ein wenig in dieser Hyggeligkeit ausruhen.

Sicherlich lässt Beams sanfte Stimme nach wie vor die Haare zu Berge stehen und auch die mit nur wenigen Kleinigkeiten angereicherten Songs sind himmelschreiend niedliche, kleine Kostbarkeiten wie das klavierumspülte, streicher- und bläserdurchwirkte „Song In Stone“. Überraschungen wie das langsam in den Äther entschwindende „Summer Clouds“ mit seinem Hang zur zuckrigen Melodieführung oder das wundervolle „Bitter Truth“, das nicht nur die Anfangstage Beams skizziert, sondern auch seiner Rolle als Gratwanderer gerecht wird, wechseln mit erstaunlich beliebigen Folksongs ab, die sich vor allem ab der Albummitte in den Vordergrund drängen.

„Call It Dreaming“ ist darunter schon fast aufreizend konventionell und buhlt spielend um einen Titel in der Hall of Fame der liebestrunkenen Folksongs der Welt. Hier mögen sich auch die Nachdrücklichkeit und der Verzehr nach Liebe des Sängers gerade im Schlussdrittel nicht mehr verstecken wollen, nicht von ungefähr singt er: „for all the love you’ve left behind, you can have mine“. Das folgende „About A Bruise“ mit seiner Slap-Rhythmik evoziert beängstigende Nähe zu Ed Sheeran, „Last Night“ wiederum, das wie ein feines Barjazz-Kabinettstückchen in den faulen Sonntagmorgen startet, wirkt im Rahmen des zuvor Gehörten überraschend frisch und fruchtig.

„Beast Epic“ verwöhnt das Ohr allerdings trotz jeglichem Hang zur Gemächlichkeit mit dem vollen und wärmenden Klang, der allen Alben Iron & Wines innewohnt und der auf den Kollaborationswerken mit Ben Bridwell und vor allem Jesca Hoop arg zu kurz gekommen ist. Wer braucht schon aufregende Arrangements, wenn sich die Klänge so hübsch ins Ohr schmeicheln wie bei „The Truest Stars We Know“, das auch auf „The Shepherd’s Dog“ eine gute Figur gemacht hätte. Und doch wünscht man dem Wahltexaner deutlich mehr Feuer unter dem Hintern, als es die zunehmende Kaminfeuerwärme von „Beast Epic“ schaffen könnte.

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