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The xx – I See You

Neues Jahr, neues Glück. Das Musikjahr 2017 startet fulminant mit Veröffentlichungen, auf die die Gemüter schon lange gewartet haben. Erwartungen wurden hochgeschraubt, die Spannung stieg und Diskussionen über die ersten Singleauskopplungen befeuerten die Spekulationen. Nun ist es da und das Gemüt beruhigt: Nach dem Zweitlingswerk „Coexist“ aus dem Jahr 2012 veröffentlichen die drei britischen Jungspunde und hochgelobten The xx ihren Drittling namens „I See You“. Solide, optimistischer und danciger präsentieren sie sich darauf nach langer Abstinenz, ohne dabei ihre Wurzeln zu verlieren. Medial ist das Trio sowieso auf der Höhe.

Lobeshymnen sind schnell geschrieben; das Wohlwollen vieler KritikerInnen haben The xx mittlerweile sicher. Mit ihrer aktuellen Tour füllen die drei große Hallen, was auf ein meckerndes Unverständnis über „Sellouts“ seitens der Indie-Fraktion trifft. Doch seien wir mal ehrlich: Der Musik, dem Image, der Band tut dies keinen Abbruch. Lassen wir die Musikindustrie eine Industrie mit ihrer Hypemaschinerie sein und konzentrieren uns auf die Musik einer Band, die wahrlich Wellen geschlagen hat und seit über zehn Jahren das „Weniger ist Mehr“ zelebriert.

Effektvoll ein Album mit solch einem Song wie „Dangerous“ zu starten, ist für The xx sicherlich ungewohnt – doch warum auch nicht einfach Bläserfanfaren verwenden, um die neue Schaffensphase einzuläuten? Ein neues Selbstbewusstsein kann dabei nicht schaden: „They say we’re in danger/ But I disagree“. Standesgemäß untermale dies Jamie xxs Beatproduktionen mit einem grundlegenden positiven Groove, der Fröhlichkeit verspricht. Knapp über vier Minuten erschaffen The xx direkt am Anfang eine Atmosphäre, neben der die Neuartigkeit des musikalischen Gerüsts zwar nicht überrascht, dennoch einfach erfreut.

Die gewisse Trägheit und umgarnende Schludrigkeit des (Duett-)Gesangs zwischen Oliver Sim und Romy Madley Croft macht, tief in der Sound- und Songgestaltung verwurzelt, nach wie vor den besonderen Charakter von The xx aus. ist. Genauso wie ein klares, minimalistisch ausgelegtes Gitarrenspiel die Nuancen der Musik darlegt, sind auch die Lyrics auf „I See You“ weitestgehend pur und unverschnörkelt. Darüber hinaus gibt es aber dieses Mal punktuell mehr vom „Mehr“. Großen Anteil an den gewissen Sounds, die einen Umbruch versprechen, tragen besonders die Samples, die elektronischen Frickeleien und entstehenden Beats von Jamie Smith, der sich in den letzten Jahren immer mehr in der Produzentenszene etablieren konnte. Ob in der wunderbar geerdeten, dennoch flattrig dancigen Singelauskopplung „On Hold“, in der clap-beatigen Ruhepol-Nummer „Lips“ oder im frickeligen, sich hochziehenden „A Violent Noise“: The xx zelebrieren Rhythmik, Sounds und introvertiertes Songwriting, als würden sie nie etwas anderes gemacht haben. Durch die der Band innewohnenden Unaufgeregtheit, eine Verschmelzung neuer und alter Nuancen, grundiert durch eine neugewonnenen inneren Stärke ist ihre Musik hier zu einer Ode an sich selbst wie auch an die Freundschaft geworden, angesiedelt zwischen Veränderungen und Stagnation.

„I See You“ vereint neugewonnene Erfahrungen des Trios mit wiederkehrenden Mustern. So extrovertiert im xx’schen Sinne dieses Album angefangen hat, so verhuscht endet es: „Just take it out on me/ It’s easier than saying what you mean/ Test me, see if I break/ […] Test me, see if I stay/ How could I walk the other way?”. Hat mam gierig bis dahin jeden Takt des Albums aufgesogen, lässt „Test Me” doch so kleinlaut zurück. Für die Länge des Albums nahmen uns The xx auf eine positive, mehr denn je belebte Reise mit, nur um uns, nach innengekehrt und gescholten, am Ende doch wieder abzusetzen. Das soll und darf ruhig sein. Hätte wer was anderes erwartet?

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