Courtney Marie AndrewsHonest Life
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Label:
Loose Music
VÖ:
20.01.2017
Referenzen:
Joni Mitchell, Tift Merritt, Lucinda Williams, Laura Gibson, Laura Veirs
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Es ist kein Geheimnis, dass sich Countrysängerinnen jedweder Dekade zumeist um ein bestimmtes Genre an Stimmung bemühen. Das reicht dann in der Regel vom selbstbestimmten Cowgirl in einer männerdominierten Gesellschaft über den zierlichen Mädchentyp, der das romantische Landidyll heraufbeschwört und endet bei den Musikerinnen, die Liebeskummer, Heimweh oder erloschene Romantik in der Beziehung mit wahren Tränenziehern verarbeiten. Setzt sich die 26-jährige Amerikanerin Courtney Marie Andrews mit ihrem sechsten Album zwischen alle Stühle?
So ganz eindeutig lässt sich das bei „Honest Life“ nicht beantworten. Zunächst klingt darauf eine Liebe zu den großen Diseusen wie Joni Mitchell, Tift Merritt oder Iris DeMent durch. Andrews, deren Stimme von Haus aus mit Anmut und Liebreiz gesegnet ist, beherrscht die Stücke, die vom Erwachsenwerden, von Verlieben und Entlieben und anderen Sehnsüchten handeln, mit leichter Hand. Dabei macht sie keine Unterschiede, ob es sich wie im Titelsong um eine sparsam instrumentierte Gefühlsbeschreibung über ihre Lebensvorstellungen handelt oder die wunderbar wehmütige Loner-Ballade „Table For One“.
Wehmut und eine erstaunlich jugendliche Angst, die, wie die Kollegin Jennifer Depner treffend bei Plattentests erwähnt, auf dem Soundtrack der „Dawson’s Creek“s oder auch „Gilmore Girls“ dieser Welt einen treffenden Platz gefunden hätte. Es sind einfache, aber wirkungsvolle musikalische Mittel, derer sich Andrews bedient. Zumeist reicht ein einleitendes, melancholisches Gitarrenpicking aus, zuweilen auch ein waidwunder Klavierakkord, um daran anschließend schlichte, aber eindringliche Countrysongs zu erschaffen, denen der Geist der 60er-Jahre immer mal wieder im Hinterkopf herumspukt. Ganz anders das streicherdurchwirkte „Only In My Mind“, das gar eine gewisse Divengrandezza trägt und sich am Ende des Albums ein wenig wie ein Anhängsel präsentiert. Es ist nicht die ganz große Bühne, die Andrews‘ Stücke brauchen, deutlich geeigneter erscheinen da die groben Holzbühnen des mittleren Westens, wo es beim State Fair Corn Dogs und Pabst Blue Ribbon Beer gibt und die Jungs weiße Cowboyhüte zur Blue Jeans und die Mädels Karokleider tragen.
Und wenn dann Rory oder Joey oder eben Courtney Marie zur späteren Stunde nach ausgiebigem Schwoof im Arm ihrer Liebsten liegen und den Klängen des erzählerischen „Irenes“ lauschen, klingt das zwar stereotyp, fängt aber die Stimmungslage auf „Honest Life“ in großen Teilen exakt ein. Courtney Marie Andrews gelingt es auf ihrem Album geschickt, Momentaufnahmen zu erzeugen, die eine gewisse Allgemeingültigkeit besitzen und doch bei jedem einzelnen eine bestimmte Erinnerungen auslösen. Wie wenn im herausragenden „How Quickly Your Heart Mends“ die Jukebox tatsächlich den traurigen Countrysong spielt, die muntere Honky-Tonk-Begleitung aber direkt den Weg ins Herz sucht und darüber hinaus die besungene Konfrontation mit dem Alleinsein vergessen macht.
Auf der Suche nach dem traurigsten Countrysong aller Zeiten gelingt es Courtney Marie Andrews tatsächlich, einige hochkarätige Anwärter zu versammeln, doch bringt sie trotz allem ein Stück weit Hoffnung dazwischen, wenn sie in „Let The Good One Go“ folgerichtig singt: „They say good things never die/ well if that’s true our loves still alive/ If that’s true it’s safe to say/ it will never die“. Versöhnlich und erschreckend ehrlich.


