Bei allein schon zwei Oscar-Nominierungen innerhalb der letzten beiden Jahre für einen „Best Original Score“ sollte man sich den neuen Soundtrack von Jóhann Jóhannsson genauer anschauen. Auch wenn dieser Erfolg vielleicht gar keinen Maßstab darstellt und überbewertet ist, lohnt es sich, auf das minimalistische Konzept des Werkes und die Herangehensweise an Denis Villeneuves Science-Fiction-Film „Arrival“ einzugehen. So wirkungsvoll, alleine aus der Kraft von Arrangement und Sound, war schon lange keine musikalische Untermalung eines Hollywoodfilms.

Genauso wie der Film auf einer spannungsgeladenen, dennoch introvertierten Ebene die Ankunft einer anderen Lebensform auf der Erde erzählt, so minimalistisch, dennoch eindringlich beschäftigt sich die Musik mit diesem Thema. Der Soundtrack ist bewusst klangreich, atmosphärisch und verzichtet auf Sprache in ihrer üblichen Form und ihrem Gebrauch. Bedeutung und Inhalte, die Sprache transportiert, sind nicht wichtig, es geht wie im Film um das Suchen einer anderen Form von Kommunikation auf Grundlage von Klängen, die auch die menschliche Stimme von sich gibt. Diese Ebene greift Jóhannsson in seinen Kompositionen auf und erschafft ein großes Ganzes, eine Klangkakophonie, in der der Grat zwischen menschlichen und instrumentellen Klängen schmal ist („Kangaru“).

Die Interpretation solch einer atmosphärischen Musik lässt vieles zu, jedoch gibt es Elemente, die dem Soundtrack einen stereotypischen Science-Fiction-Charakter geben. Beispielsweise lässt das Querflötenspiel im eröffnenden „Arrival“ schon vermuten, in welche Richtung der Soundtrack geht. Tiefe, brodelnde Generalbasstöne erschaffen eine leise bedrohliche Stimmung und eine erwartungsvolle Haltung, die Spannung aufbaut. „First Encounter“ spielt genau mit dieser Spannung, die aber auch immer durch Pausen beziehungsweise den Bruchteil einer stillen Sekunde durchzogen wird. Daneben gibt es dröhnende orchestrale Disharmonien ebenso wie ein feines Pizzicato, was zusammengenommen in einem Wechselspiel die Atmosphäre beflügelt.

Melodien oder Melodiebögen sucht man vergeblich, ansatzweise lassen sich ausgespielte Streicherklänge („Transmutation At A Distance“; „Around The Clock News“) finden, die aber weder positiv die Stimmung anheben, noch das gewisse Hitelement beitragen. Da muss man sich aber bewusst werden, dass das eigentlich egal ist. Melodien sind hier so fehl am Platz wie eben Texte. Durch wenige Mittel, aber viele atmosphärische Kompositionsideen erschafft Jóhannsson einen dichten Klangraum. Zwar wiederholen sich dabei einzelne Soundelemente und tragen zu ähnlichen Stimmungsbildern bei, doch diese Redundanz gibt dem Werk sicherlich die genügende Dichte und Stringenz. Auch wenn es laut Jóhannsson Motive in „Arrival“ geben würde, seien ihm vorrangig pure Klänge und Texturen wichtig gewesen: Knistern, Rauschen, Brummen, sub-bassige Drones, Räume und Atmosphären. Mehr Sounddesign denn Soundtrack, hebt besonders der Fokus auf orchestrale und avantgardistische Elemente sowie eine kompositorische Schönheit Jóhannssons Werk hervor. Eine gewisse musikalische Ruhe und ein Bewusstsein für Atmosphäre zeigen, dass Soundtracks nicht überladen episch sein müssen, sondern experimentell sein können.

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