King CreosoteAstronaut Meets Appleman
| Tweet |
Label:
Domino
VÖ:
02.09.2016
Referenzen:
James Yorkston, Get Well Soon, Ed Harcourt, Villagers, Sam Amidon
|
|
Autor: |
| Carl Ackfeld |
Kenny Anderson alias King Creosote zählt wohl zu den umtriebigsten europäischen Künstlern. Egal ob im Eigenvertrieb über CD-R-Formate, Indie- oder Majorlabel, als Kollaborationspartner oder Kompilierer, als Soundtracktüftler, Landschaftsbeobachter, Folksänger oder Liedermacher – dem Schotten machen in Sachen Produktivität nur wenige etwas vor. Hält er aber ob seiner Veröffentlichungsflut trotzdem die Güte ein, die vor allem seine Küstenstudie „Diamond Mine“ und die Liebeserklärung „From Scotland With Love“ aufgewiesen haben?
Machen wir uns mal nichts vor: „Astronaut Meets Appleman“ ist ein in weiten Teilen typisches King-Creosote-Werk geworden. Leichtfüßige Folksongs, denen ein großer Popappeal innewohnt, wechseln sich mit raumgreifenden Balladen ab. Andersons Stimme klingt nach wie vor so jungenhaft wie nötig, inzwischen mischen sich aber immer deutlicher Sehnsucht und Lebenserfahrung ins Timbre. Dazu bedient er sich wie auf seinen Soloalben üblich eines breiten Klangkatalogs, der von schottischen Heimatinstrumenten hin zu flächigen Soundscapes reicht.
Mit „Surface“ und dem wohl radiotauglichsten Stück seines Schaffens „Wake Up To This“ überrascht Anderson auf „Astronaut Meets Appleman“ dieses Mal allerdings auch durch erstaunliche Zugänglichkeit. Sicher, die herrlichen Elegien vom Schlage eines „On Esther’s Planet“ sind nach wie vor vertreten. Sie bekommen sogar mit dem abschließenden „Rules Of Engagement“ eine fabelhafte neue Gestalt verpasst, denn das volkstümlich eröffnende Stück wird nach und nach ambienter, fadenscheiniger und lässt seinen filigranen Klang wie Wellen an ein flaches Ufer treiben.
Die Zusammenarbeit mit anderen Musikern nimmt nach wie vor einen großen Stellenwert in Andersons Schaffen ein, so dürfen auch auf „Astronaut Meets Appleman“ keine Gäste fehlen. Maireared Green übernimmt diesen Part zum einen, wenn sie das ohnehin schon windzerzauste „Melin Wynt“ mit charakteristischen Dudelsackmelodien veredelt. Doch auch Andersons Töchterchen kommt zu Wort und verwandelt mit ihrem Kindermund das süße „Peter Rabbit Tea“ zu einer drolligen Folkminiatur.
King Creosote nimmt sich auf diesem Album häufig deutlich mehr Zeit als sonst. Schon das eröffnende „You Just Want“ schleicht sich über fast siebeneinhalb Minuten hinein: Der Rhythmus ist bedächtig, diverse Saiten und Tasten fantasieren sich über das gemächlich nach vorn drängende Stück in einen sanften Rausch und Anderson philosophiert in zarter Manier über das Hier und Jetzt. Ähnlich ist das geigendurchwirkte „Faux Call“, dessen auf- und abschwellende Melodie die zarte Gesangslinie zwar bettet, aber niemals umfängt. Wie mit einer instrumentalen Aura überzogen wirken einige Stücke dabei, deutlich weniger durch die Eigenartigkeit des Künstlers selbst. Der Zauber, der bislang seine landschaftlich geprägten Songs beherrschte, verliert sich vor allem dann, wenn das Lokalkolorit gänzlich in den Hintergrund tritt oder die gesanglosen Passagen in scheinbar weit entfernte Gestade aufbrechen wollen. So fühlt sich „Astronaut Meets Appleman“ besser an, wenn der Apfelmann stärker in den Fokus rückt. Sicher, ein wenig in die Ferne schweifen schadet hier und da nicht und lässt sich vor allem im astralen „Betelgeuse“ beinahe körperlich erfahren, doch liegen ihm nach wie vor die heimatverbundenen irdenen Töne eher.


