Told SlantGoing By

Das kollektive Musizieren birgt so seine Vorteile. Dachten sich auch die Mitglieder von The Epoch, zu denen aufstrebende Projekte wie Eskimeaux, Florist, Yowler und Bellows genauso gehören wie Told Slant, wie sich Felix Walworths Quasi-Solo-Projekt nennt. Viel Unterstützung nehmen sich die elf Songs auf Told Slants zweitem Album allerdings nicht, leben sie doch von Walworths markig-brüchiger Stimme und den intimen Stimmungen, die en passant aufkommen.

Schon der Titel „Going By“, also Vergehen oder auch Vorbeigehen, gibt nicht nur den Texten eine zeitliche, zuweilen gar räumliche Dimension. Die Songs handeln vom Alleinsein, vom Verlassenwerden, vom Überstehen und von vielen möglichen Hindernissen des Lebens. Es geht um die Bewältigung trüber Gedanken, die wie Sturzbäche auf einen Einprasseln können, wie in „Tsunami“, das sich die Stimmen mehrerer Epoch-FreundInnen und die glockenhellen von Girlpool leiht und so einen starken Kontrast zu Walworths hier vor Trauer starrem Timbre setzt: „Isn’t this silly and aren’t you beautiful“ wird zum Mantra einer nicht mehr hundertprozentig erwiderten Liebe und steht damit exemplarisch für so viele kleine Niedergeschlagenheiten.

Walworth lässt auf „Going By“ sehr viel Emotionalität zu, ohne sich vollends darin zu suhlen. Die Arrangements sind sparsam, geradezu karg, häufig leiten leise Fingerpickings von einer Textzeile zur nächsten, in der Rhythmusgruppe überwiegen gestrichene Akzente und selbst wenn Gitarren mal leise Melodiebögen andeuten, sind die Songs zerbrechlich wie die Gedanken, die Walworth thematisiert. Skelettierte Will-Oldham-Momente wie im naturalistischen „Wappingers Creek“ treffen auf Stehhaarsymptome der Marke „Delicate“ eines Damien Rice, nur dass Told Slants „Delicate“ betitelter Song karger und spröder beginnt. Dass der dort vorgebrachte kurze Ausbruch nur eine Momentaufnahme bleibt, scheint die Gestaltung des Albums nur zu bestärken.

Gefühlsversehrt beginnt schon „I Don’t“ mit einer so erstaunlichen wie erschreckenden Ehrlichkeit, die dazu führt, sich eigentlich gar nicht mehr erinnern zu wollen und sich damit selbst die Schuld zu geben. Walworth will nicht wie in den amerikanischen Collegefilmen der 90er-Jahre den Geruch des Parfüms des letzten Abends in der Nase haben, sich nicht an die letzte verkorkste Nacht erinnern, sondern allein sein und erschafft dazu in „Green Nail Polish“ eine fast schon plastisch anmutende Szenerie.

Nur selten bricht „Going By“ mit der Tristesse des Verlassenseins, eher verfestigt es diese Emotionen noch und trägt Hoffnung und Zuversicht wie im herausragenden „High Dirge“ zu Grabe. Lediglich im kurz darauf folgenden „Low Hymnal“ lodert ein Feuer des Aufbegehrens, was es für das Album schwierig macht, sich nicht vollends im Selbstmitleid zu verlieren. Aufbruch, Unruhe oder Katharsis – egal, was sich Walworth fürs nächste Album vornehmen würde: Das mit den Emotionen klappt prima, nur könnte ein wenig mehr Nutzen des Kollektivs die eigene Stärke noch weitreichender emporheben.

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