Maria UsbeckAmparo
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Label:
Labrador
VÖ:
27.05.2016
Referenzen:
Juana Molina, Dan Lissvik, Astrud Gilberto, JJ, Saint Etienne, Nicola Cruz, The Tough Alliance, Gepe
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Wenn eine vereinzelte Triangel Akzente setzt, muss die Musik drumherum schon ziemlich subtil gesponnen sein. In Maria Usbecks „Una De Tus Ojos“ pocht der Beat wie ein ruhiger Puls von 70, nur langsam nehmen die Tasten- und Schlagzeugläufe an Dichte zu, doch auch in vollem Lauf ist der intensivste Klang ihr Atemhauch, der sich von oben darüber ergießt. Die Idealumstände, um in Usbecks Solodebüt einzutauchen, bietet eigentlich eine Hitzewelle: Wenn die Außentemperatur sich einbrät und das Hirn langsam im Eigensaft pochiert, wenn der Körper sich nicht mehr bewegt, aber die Schweißdrüsen dafür mit doppelter Kraft arbeiten, wenn die schwelende Luft vor den Augen verklebt, dann sind die äußeren Umstände ganz im schwülen Betriebsklima dieser Songs angekommen.
„Amparo“ ist gewissermaßen ein höchst persönliches Dokument der jahrelangen Reisen durch Mittel- und Südamerika, Katalonien und sogar die Osterinsel, auf denen Usbeck nicht nur Naturklänge via Field Recordings absorbierte, sondern auch Sprachen wie das Quechua ihres Geburtslandes Ecuador, aus dem sie mit 17 Jahren nach Brooklyn gezogen war. Das behutsame Herantasten an diese Inspiration aus eigenen und auch fremden Wurzeln spiegelt sich in ihrem weich zurückgehaltenen Gesangsstil wieder, der in ebensowenig pressierende Beats gebettet ist. Schon damit setzt sie sich von druckvolleren, lauter abgemischten Ansätzen wie dem Electro-Folk ihres Landsmanns Nicola Cruz oder dem chilenischen Anden-Synthpopper Gepe ab, aber auch stilistisch schöpft Usbeck weniger direkt aus Musiktraditionen, als dass sie deren Geist überführt.
„Llámame“ besitzt so vielleicht eine verhauchte Bossa-Nova-Vibe, entfaltet sich aber über konstantem Handtrommel-Kick mit abrollenden Fills und einer dem Folk ihrer Heimat näherstehenden Flöte, die auch im anschließenden „Camino Desolado“ eine lebhafte Begleitmelodie trällert. Geradezu verstolpert sind die Drums noch im Eröffnungsstück „Isla Mágica“, zusammen mit der viele Albumteile prägenden Marimba setzen Usbeck und Co-Produzentin Caroline Polachek verschiedene südamerikanische Handtrommeln als verzogenes Perkussionsbett unter die idyllisch hallenden Tastentöne. Noch deutlicher zeigt die Marimba ihre Doppelfunktion im synthigen „Junla Inquieta“, wo Melodie- und Perkussionsläufe fröhlich umeinanderlaufen, mit seinem spröde wippenden Groove und gezupfter Akustikgitarre erinnert das finale „Tarántula“ – ein Cover der 4AD-Originale Colourbox – derweil an die lässigen Produktionen des schwedischen Westküstlers Dan Lissvik.
Solcherlei abgewogene Zurückhaltung ermöglicht es auch, dass kleine Umschwünge der Songs zauberhafte Erlebnisse manifestieren können, wie wenn „Ciudad Desnuda“ sich als wohliger Seufzer über zischelnden Rasseln und liebkostem Metallbecken ausdehnt, oder wenn ein Harfenvorhang den delikat-warmen Refrain von „Moay Y Yo“ freigibt. So persönlich und weltenbummlerisch auch der Hintergrund von „Asparo“ ist, auch wenn Usbeck mal ein paar Worte Rapanui einfließen lässt, wird sich ein babylonisches Unverständnis beim Hören nicht einstellen – die Wirkung dieses Albums scheint gleichermaßen durch die Ohren wie direkt durch die Poren einzuziehen.


