MitskiPuberty 2
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Label:
Dead Oceans
VÖ:
17.06.2016
Referenzen:
Liz Phair, The Delgados, EMA, Weezer, St. Vincent
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
In einem Interview berichtete der finnische Actionregisseur Renny Harlin unlängst von seiner verwundernden Erfahrung, als er zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten gelandet war: Gleich beim Besuch eines Diners in Los Angeles bot sich ihm ein Anblick, der genau all den Szenen in Filmen entsprach, aus denen er sich bis dahin sein Bild des fremden Landes gebildet hatte. „Your Best American Girl“, das Paradestück in der Mitte von „Puberty 2“, zeigt hingegen die andere Seite des Außenstehens gegenüber dem kulturellen Ideal: als frustrierende Inkompatibilität. „You’re an all-American boy/ I guess I couldn’t help trying to be your best American girl/ Your mother wouldn’t approve of how my mother raised me“, singt Mitski Miyawaki auch bei getragenem Tempo mit einer sich überschlagenden Intensität, während ihr ohnehin kathartisch glühender Gitarrenrausch subtil um einen letzten hoffenden Glimmerton veredelt wird.
„Bury Me At Makeout Creek“, mit dem Miyawaki 2014 durchaus organisch von den Chamber-Pop-Kompositionen ihrer ersten beiden Werke in eine Rock-Instrumentierung und tightere Melodiemuster überführte, besaß immer noch chorale Überbleibsel wie in „Francis Forever“. Auf ihrem vierten Album hingegen ist sie nicht nur stimmlich stimmlich auf sich allein gestellt (naja fast, so taucht in „Dan The Dancer“ noch ein Begleitgesang auf), auch ihre Arrangements destilliert sie nach Bemessen aufs Nötigste. Für „Your Best American Girl“ arrangiert sie dafür mit Produzent Patrick Hyland Bass und Schlagzeug um ihren Sechssaiter, wie auch in „I Bet On Losing Dogs“, wo statt der Halbakustischen jedoch eine dramatische Synth-Wallung und noch weiter desorientierende Stimmvermengungen prägend agieren. Über metronomischem Klackern und Pochen hallt in „Thursday Girl“ nur der gelegentliche Anschlag auf, doch nicht die Dichte der Instrumentierung ist auf diesem Album ausschlaggebend – hier ist es vielmehr der Hallklang, der Miyawakis suchende Stimme geduldig bettet.
Allein mit unverzerrtem, doch umso intensiverem Akkordhämmern erreicht so „My Body’s Made Of Crushed Little Stars“ den körnigen Nervositätsgipfel. Miyawakis gellend verstärkter Innenmonolog („I better ace that interview“, „I should tell them that I’m not afraid to die“, „I work better under a deadline“) steigt die Melodieleiter pressiert rauf und runter, jedes unsaubere Zurückschlagen und Slide-Quietschen des Instruments ist darum rohend in der Aufnahme bewahrt. In „Fireworks“ wiederum sind Gitarre und Flüster-Drumming kleingehalten, dafür steigen Glocken und in diesem Kontext geradezu andächtige Synth-Striche nach oben, zugleich so schwermütig und erhaben, wie auch Miyawaki ihre gefasste Stimme dazu setzt. Der Reichtum an Facetten, in die sie ihr Gesangsorgan lenkt, trägt erst recht zum variablen Ausdruck ihrer Songs bei.
Die Pubertät möchte fast niemand ein zweites Mal erleben und auch „Puberty 2“ blickt lieber auf die Phase, die danach kommt. Das Wissen und die Fähigkeit zur Introspektion, welche die Reife der Mittzwanziger-Jahre mit sich bringt, reißt dafür neue Unsicherheiten auf: In „Happy“ personifiziert Miyawaki den Glücksmoment als gelegentlichen Besucher, der für Euphorie sorgt und bei seinem Verschwinden dafür eine Lücke hinterlässt („I was in the bathroom, I didn’t hear him leave/ I locked the door behind him and I turned around to see/ All the cookie wrappers and the empty cups of tea“). Das humorvolle Konzept unterstreichend und das niederschlagende Sentiment konterkariend, schwingt sich der Song dazu unter munterem Tröten auf.


