SusannaTriangle

Ob sie mit ihrem „Magical Orchestra“, im Alleingang oder mit anderen KünstlerInnen wie der gratwandernden Jenny Hval veröffentlicht: Susanna polarisiert. Reichte ihre Bandbreite bislang von raschelndem (Alb-)Traumfolk über neoklassischen Kunstpop hin zur spektral orientierten Avantgarde, versucht sie auf „Triangle“ ihr bisheriges Schaffen in dessen Gesamtheit zu kulminieren. Kein einfaches Unterfangen, was nicht erst am Ende der zweiundzwanzig Stücke auffällig wird.

„Triangle“ lebt, wie auch schon das in Zusammenarbeit mit der ähnlich experimentell veranlagten Hval entstandene „Meshes Of Voice“, von Texturen, Klängen, Stimmungen und nicht zuletzt von der bündelnden Stimme Susanna Wallumrøds. Es ist nebensächlich, ob sie schreit, haucht, singt oder summt. Egal, ob sie aufbrausend, zurückhaltend, wehmütig oder zärtlich klingt. Es ist die Gesamtheit an Facetten, die aus einem einfachen Stimmorgan den Farbgeber für „Triangle“ macht und dabei Ideen und Vorstellungen evoziert, die versuchen, der Vielzahl an Einzelteilen einen Überbau zu verschaffen. Mal wird Susanna so zur grüblerischen Diseuse, die nach dem unheimlichen Spoken-Word-Intro in „We Don’t Belong“ über einen pianogetränkten Electropop herrscht. Überhaupt finden Tasteninstrumente immer wieder ihren Weg zwischen die Arrangements, die mal aufreizend schlichte Pop-Eleganz wie bei „Texture Within“ antäuschen und dann doch im nächsten Schritt wieder nach mehr Aufmerksamkeit schielen.

Würde man „Triangle“ als „Track-By-Track-Rezension“ aufdröseln wollen, es wäre eine wortreiche Angelegenheit geworden, denn schon allein das nachfolgende „Fear And Terror“ konstruiert völlig andere Gefühlswelten. Gewiss ist dort immer noch ein Klavier, doch so eng, wie Susanna hier die Töne der Gesangsmelodie aneinander reiht, wird aus der vormals erhabenen Stimmung eine klaustrophobische Miniatur. Kaum ist man von dieser Enge vollends gepackt, öffnet „Before The Altar“ sakrale Räume und wirft sonderbare Hintergrundstreicher durch die hohlen Räume. „Triangle“ wird nicht nur hier zu einer andächtigen Betrachtung, fast immer schwingt den einzelnen Stücken eine obskure Mystik mit. Symbole wie dem Schafhirten, den Susanna gleich zweimal zurate zieht und mit vokal imitierten Orgeltönen betört, bedient sie sich dazu ebenso wie mittelalterlich anmutender Gesangsmuster. „Under Water“ beginnt wie ein frommer Hymnus, der dann nach und nach in die Sphäre des Göttlichen hinüberzugleiten droht.

Nach „Meshes Of Voice“ und dem hierzulande unauffälligen Kunstfolk-Album „The Forester“ ist „Triangle“ gemäß aller vorherigen Erwartungen eine weitere Tour de Force. Schmerzliche Momente drückt die Musikerin eben auch gefühlsimmanent aus und so leidet man mit bei „Burning Sea“, ehe „In The Need Of A Shepherd“ nach „Hole“ zum zweiten Mal eine Art konventionellen Popsong vermuten lässt und vermutlich nicht von ungefähr ein wenig mehr Leuchten ins Dunkel bringt. „Triangle“ lebt diese Stimmungsschwankungen immer vollends aus und macht es Niemandem leicht, hier außerhalb der erhabenen Musikalität einen roten Faden in die Hand zu bekommen. Die so gerne herbeibemühte Sogwirkung tritt zwar ein, reicht aber häufig nur zu einem Sich-an-der-Oberfläche-treiben-Lassen. Kaum ist man ein wenig in die Niederungen hinabgetaucht, ändert der Strudel seine Richtung und schon dümpelt die eben noch Gefangene machende Melodie ein wenig verloren zwischen den abebbenden Wellen.

Nicht falsch verstehen: „Triangle“ ist ein wunderbares Album geworden, doch bedarf es vermutlich eines Christophorus, der einen auf die Schultern nimmt und durch das kabbelnde Wasser trägt. Susanna hingegen sitzt inmitten der tosenden See und lockt mit ihrer Stimme hinein in diese wellenumkrönte Kathedrale.

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