Sophie Payten ist Anfang zwanzig, kommt aus dem australischen Irgendwo und lässt unter dem Alias Gordi seit ihrer 2013er-Debüt-EP „Away“ auch zunehmend über den antipoden Kontinent hinaus von sich hören. Bei den einen oder anderen konnte sie vielleicht bereits ein wenig Aufmerksamkeit mit ihrer vorzüglichen, balladesken Version von Landsfrau Courtney Barnetts „Avant Gardener“ erhaschen: Mit den simpelsten Mitteln einer tiefen Stimme und sanften Klaviertönen hat Payten diesen Song so transformiert, dass er ihr schon fast zu eigen wurde. Ihre daran anschließende, erste größere Veröffentlichung „Clever Disguise“ ist getrieben von einer zu viel wollenden, naiv-unschuldigen Art, der man etwas müßig zuhören muss.

Mit ihrer interessanten Klangfarbe im Gesang, einer leichten Instrumentierung zwischen Gitarre und Klavier in einer halligen Ästhetik sowie bewusst detailreichen Lyrics ist Gordis Musik eigentlich eine wunderbare harmonische Mischung, die jedem Fan von Singer-Songwriter-/Indie-Pop-/Folk-Musik gefallen könnte.

„Nothing’s As It Seems“ leitet genau so die EP ein, doch scheint es auf der Stelle zu treten, nicht voranzukommen. Die ersten Takte lassen die Ohren spitzen, lassen etwas erwarten, das sich für den Moment nicht definieren lässt – doch schon mit Einsatz der Akustikgitarre hat sich die Spannung leider auch wieder gelegt. Vielleicht ist es der Hall, in dem sich Paytens Stimme unnötig versteckt oder das im Gegensatz dazu klare Saitenspiel, das sich wiederum hinter der Wall of Hall verdrückt. Man wird einfach nicht richtig warm und vermisst etwas Wesentliches.

„Taken Blame“ versucht etwas besser mit der musikalischen Balance umzugehen, indem es durch fließende und flirrende Sounds das Tempo stärker betont und sich dabei alle Teile interessanterweise besser aneinanderschmiegen können. Auch wenn im Grund das Soundgerüst und Arrangement nicht enorm verändert sind, so ist der Bezug eindringlicher. In „So Here We Are“ bekommt das bisher nicht präsente Klavier eine klarere Rolle, das viel besser zu den Harmonien und Effekten passt als das Gitarrenspiel. Schlagartig ändern sich die Hörempfindungen in Richtung Zufriedenheit – ist es das Instrument, das vorher gefehlt beziehungsweise gestört hat? Das indiepoppige Semi-Gutelaune-Lied „Wanting“ als Grand Finale setzt diesen Trend fort, wenn Gordis Stimme dort viel direkter und weiter vorne platziert ist, als es noch am Anfang der EP der Fall war.

Am Ende klärt sich so der Nebel – in einer musikalischen Zuspitzung eines schwachen Anfangs zu einer immer weiteren Reduktion und geschärftem Fokus. Gordi in ihrer pursten Form lässt sich zudem auf der Vinylausgabe der EP noch im Bonustrack, der Pianoversion von „Can We Work It Out“, auffinden. Genau hier wird auch deutlich, was in der vorhergehenden Fassung des Songs störte: Ein Zuvielwollen hat das Wesentliche versteckt und das eigentliche Potential der Künstlerin verhindert. Losgelöst von dem vorherigen schweren Korpus, bekommt man in diesem reinen und leichten Gesang-Klavier-Track das erste Mal (neben dem Barnett-Cover) richtig zu hören, wer nun Gordi ist – leider etwas zu spät.

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