BeverlyThe Blue Swell
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Label:
Kanine
VÖ:
06.05.2016
Referenzen:
La Luz, Lush, Cocteau Twins, Wild Nothing, The Lemonheads, Frankie Rose, The Go-Betweens
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Drew Citron hat ein Händchen dafür, Vertraute in ungewohnte Bilder zu kleiden. Zu süßlich leichtem Dreampop-Lemonheads stellt „Crooked Cop“ ein Misstrauen gegenüber betrügerischem Verhalten derart dar, als richte es sich an korrupte Staatsbedienstete: „Then you kick up clouds into some kind of phony atmosphere/ It’s so hard to see you when you’re in the midst of a cover-up/ When you’re on the take/ Like a crooked cop“. Der Song ist Gitarrenpop von anmutiger Eingängigkeit wie aus dem Lehrbuch, so es denn eins gäbe: Akkordanschläge, Slides und melodisches Fingerspiel nebst einer bis auf perkussive Claps unaufdringlich funktionalen Rhythmussektion und einer robusten, zu weichen Höhenanstiegen befähigten Stimme.
Dieser anfängliche Eindruck festigte sich auch für mich mit wiederholtem Anhören von „The Blue Swell“. Beim dritten Durchgang fiel der weitere Albumverlauf jedoch merklich ab. Was zuvor als eine der gelungensten Gitarrenpop-Platten des Jahres erschienen war, begann diesmal enttäuschend zu verblassen. Keine überschätzte Kurzlebigkeit war der Grund dafür, sondern ein Versagen der Technik: Eine Musik-App (nennen wir mal keine Namen) hatte die Songs in alphabetischer Titelreihenfolge angeordnet und so unabsichtlich demonstriert, wie bedacht das zweite Werk des New Yorker Duos Beverly zusammengesetzt ist. Wo die Umordnung zunächst noch kaum auffällt, weil das Highway-berollende „Bulldozer“ in beiden Sortierungen das Album eröffnet, verwässert sie alsbald die dreigeteilte Gesamtstruktur.
Platziert in ihrer Mitte, hinterm traumhaft jangle-schrammelnden Anfangsteil, sind die verhangenen „Lake House“ und „South Collins“. Ein surrealer Hauch von Southern Gothic, von Jenseitsbedrohungen beim idyllischen Campingtrip zieht im Ersteren auf, wenn Citron ominös warnt „Don’t tell a soul/ You can’t tell anybody/ Bout what you know/ You won’t make it on your own/ Lights on the water“. Statt dicker aufzutragen, verziehen sich Saiten wie auch synthige Beitöne nur leicht ins Ungemütliche, das Schlagzeug hingegen ist fordernder und akzentuiert mit wiederholten Beckenklatschern, ohne den Hallraum übermäßig zu befüllen. Besonders deutlich wird hier der Fortschritt gegenüber Beverlys Debüt, dessen dumpfen Sound Citron und Bassist Scott Rosenthal links liegengelassen haben. Ihre Hooks können sie auf „The Blue Swell“ unverhohlen zur Schau stellen, aber auch ihre Vorliebe zum eingängigen Spiel leicht neben der Spur.
Citrons auf-die-eins-taktgetreuer Gesang in „Crooked Cop“ und dem schlummernden „The Smokey Pines“ stellt eher die Ausnahme dar. Meistens setzt sie auf der zweiten Zählzeit oder irgendwo dazwischen ein, damit sie sich wie in „You Said It“ mit erhabener Silbendehnung seitlich anschleichen kann oder den mit Gitarrenanschlag eröffnenden Strophen im powerpoppigen „Victoria“ eine aufgeriebene Dynamik verleiht, die sie im Refrain besänftigt, wenn sie dort mit langgezogenen Vokalen hineingleitet. Waren Citrons Vocals auf „Careers“, meist im Duett mit der damaligen Drummerin Frankie Rose, oft nur eine Textur aus langgezogenem Hauchen, ist ihr Ausdruck auf „The Blue Swell“ variabel von lässig bis exaltiert und vermag wie vor der Middle Eight in „You Said It“ vom mittleren Tonbereich steil nach oben gleiten.
In das etwas zu buntgemischte Albumende führend, wo folkig-warme Texturen und die Streicher des finalen „Don’t Wanna Fight“ mit dem Zweieinhalb-Minuten-Fetzer „You Used To Be A Good Girl“ kollidieren, vollzieht „The Blue Swell“ seinen feinsten Übergang: „Contact“ beginnt im Moll der Albummitte noch als eine weitere Fahrt ins Ungewisse, die nur gelegentlich überm leitenden Basslauf auftauchende Gitarrenmelodie ist ein ungebremster Abwärtslauf und Citron drückt ihre Verunsicherung wehleidend im Abseits aus. Im Gesamtkontext ist der Song aber das Licht aus dem Dunkel, deswegen besticht es an dieser Stelle dann auch so, wenn die Saiten und Citron sich neugierig erheben und endlich wieder eine dieser zu Kopf steigenden Zauberharmonien als Refrain setzen. In alphabetischer Sortierung, wo der Song noch vor der Perfektion von „Crooked Cop“ steht, besitzt dieser Moment längst nicht solch eine Wirkung.


