Benjamin Dean WilsonSmall Talk
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Label:
Tapete
VÖ:
22.04.2016
Referenzen:
Adam Green, Nick Lowe, The Divine Comedy, Jeffrey Lewis, Bob Dylan
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Bereits Anfang April konnte ich zum ersten Mal in Benjamin Dean Wilsons Debüt hineinhören: Sechs Songs, die längenmäßig von über drei Minuten bis hin zum knapp an der Viertelstunde kratzenden Abschluss reichen, wortgewaltig und pointiert im Vortrag, fintengespickt im musikalischen Gestus. Kein leichtes Unterfangen für eine ebenbürtige Rezension, der überdies die anfängliche Euphorie ein wenig im Weg stand und somit sollten doch noch einige Wochen ins Land gehen, um würdigende Worte zu finden.
Für Fans von: Adam Green, The Divine Comedy, Stephin Merrit oder Nick Lowe. Oder der mittlere Rufus Wainwright ohne dessen Hang zur opulenten Grandezza. Oder gar frühe Bob-Dylan- oder Leonard-Cohen-Verweise. Keine Frage, „Small Talk“ bietet viele, sich in einigen Fällen deutlich voneinander unterscheidende Referenzpunkte und doch ist das, was Wilson auf seinem Erstling veranstaltet, in seiner Art und Weise komplett neu. Komplett in Eigenregie wiederum hat er die Stücke eingespielt und sie im Rahmen seines Songwriter-Folks auch reichhaltig ausstaffiert. Da treffen pfiffige Klavierminiaturen auf herzallerliebste Fingerpickings und alles fügt sich zur angenehmen Stimme des jungen Amerikaners vortrefflich zusammen.
Wilson ist ein begnadeter Geschichtenerzähler und nimmt sich zur Entwicklung seiner Erzählungen sehr viel Zeit. So lässt er im unglaublichen „Rick I Tick Tock“ in insgesamt drei Akten eine hübsche Ménage-à-trois entstehen, die von der flüchtigen Bekanntschaft im Zug in einem gemeinsamen Picknick mündet. Dabei zitiert er Beach Boys, entwirft Dialoge, die er in verteilten Rollen und Stimmfarben singt und lässt doch die instrumentalen Gegebenheiten zu keiner Zeit als reinen Hintergrund stehen. Mit leichter und historisierender Hand entwirft Wilson Zufallsszenen, die denen eines kurzen Theaterstücks gleichen und lässt durch den begleitenden Frauenchor ein schmückendes, gleichwohl kommentierendes Element dazustoßen.
Die übrigen Geschichten sind, obgleich deutlich kürzer, von ähnlich farbenprächtiger und vielschichtiger Inszenierung. Im eröffnenden „Sadie And The Fat Man“ weht ein sympathisches Folklüftchen der 70er-Jahre, Wilson singt über das Älterwerden und nebenbei ertappt man sich beim Mitwippen und wähnt den Musiker in den zugigen Cafés und Bars des Greenwich Village. Das Piano perlt, Wilson singt „my days are short now, I’m asleep more than I’m awake“ und freut sich irgendwie trotzdem auf das Wiedersehen mit der Jugendliebe, die ihm einst versagt blieb. Im folgenden „So Cool“ shuffelt sich Wilson durch zahlreiche Begebenheiten des Lehrers Mr. Green und hat dabei wieder die Doo-Wop-Mädels im Schlepptau, im herrlich gemütlichen „William“ singt er aus ungewohnter Sichtweise über den potentiellen Schwiegersohn, Möwenkreischen und Beruhigungslyrik inklusive: „and he is so good with children, they sit upon his knee, and pretend they’re riding horses, when they’re sitting on his knee“.
Ständig wechseln Erzählperspektive und Blickwinkel, selbst die Stimme Wilsons changiert variantenreich zwischen Geschichtenonkel, satirischem Crooner und zärtlichem Ehegatten, denn so weich wie im verhältnismäßig kurzen „My Wife“ wird „Small Talk“ nur selten. Es ist ein furioser Auftakt für den jungen Mann, der gleichfalls verschmitzt und auch ein wenig schüchtern aus seinem Albumcover hinaus nach oben schaut. In Zukunft muss es daher als Genrereferenz fraglos heißen: für Fans von Benjamin Dean Wilson.


