KINGWe Are KING
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Label:
KING Creative
VÖ:
22.04.2016
Referenzen:
Sade, Minnie Ripperton, Bilal, Cocteau Twins, Quadron, Jessie Ware, Prince
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Es wäre nicht völlig verfehlt von KING, sich als früh geadelt zu sehen. Nur drei Songs benötigte das Trio 2011, um mit seiner selbstveröffentlichten „The Story“-EP Größen wie Erykah Badu, Prince und Questlove zu Lobeshymnen zu bewegen. Für ihr Debütalbum suchten KING aber weder Majorlabels, noch namhafte oder überhaupt irgendwelche Produzenten auf, auch gibt es darauf keine Gastauftritte ihrer prominenten Fans. Der herrschaftliche Bandname soll nicht vorhersagen, dass sie sich aus diesen Vorschusslorbeeren bereits eine Krone gebastelt hätten, sondern reflektiert eine künstlerische Souveränität über nahezu alle Aspekte ihres Schaffens. Auf eigenem Label, von der Komposition über die Eigenproduktion von Multiinstrumentalistin Paris Strother bis zum visuellen Design halten KING alle Zügel ihrer kompromisslos traumhaften R’n’B-Vision in der Hand.
Nun ist DIY an sich noch lange kein Erfolgsprinzip, mindestens ebenso oft eher das Gegenteil – nicht nur im R’n’B kann schließlich Kollaboration diverse kreative Kräfte im Dienste der Kunst bündeln. Wie der Zeitraum zwischen Album und EP schon vermuten ließe, steckt in „We Are KING“ aber eine langwierige Feinarbeit, mit der Anita Bias, Paris Strother und ihre Schwester Amber ihr unmöglich bunt koloriertes Soundpanorama zurechtgeschnitzt haben. Das erinnert oberflächlich in seinem Schimmern und der seidigen Leichtigkeit an Quiet-Storm-Soul à la Sade, wie er in jüngster Zeit auch schon mal von Jessie Ware oder Jhené Aiko approximiert wurde. Wo andere kontemporäre Ansätze sich in ästhetischen Brüchen oder elektronisch aussparender Reduktion aufs Atmosphärische üben, gehen KING tiefer unter die Oberfläche und paaren die äußere ästhetische Eleganz mit einer inneren Komplexität.
Bias und die höherlagige Anita Bias steuern live den Großteil der Vocals bei, wie bei der Instrumentierung löst sich solch eine klare Rollenverteilung auf dem Album aber schnell in einem samtigen Klang-Füllhorn auf. Trotz der soften Gesamtwirkung sind die einzelnen Sounds klar auszumachen, selbst wenn einige nur für wenige Anschläge aufzutauchen und danach zu verschwinden scheinen. Zumindest stellenweise lässt sich das Ineinandertreiben der verschiedenen Begleitmelodien noch im finalen „Native Land“ nachvollziehen, dessen pastorale Vocals steil nach oben flöten und sanft wieder nach unten gleiten: hier klickt und aus der Ferne trällert es, dort sprudeln ein paar quäkige Noten empor und werden von gläsernem Hauchen weitergetragen, Glocken kaskadieren zwischen simultan bassig und himmlisch gegeneinanderspielenden Noten.
Geradezu reduziert wirken dagegen selbst in überarbeiteter Form die Songs von der EP, wobei besonders „Supernatural“ mit seinem jubilanten Blechbläser-Klimax einmal simplere Freudemomente erzielt. Das folgende „Love Song“ spielt hingegen mit der Erwartungshaltung: Die süß tänzelnde Instrumentalmelodie schält sich dort erst heraus, nachdem der Gesang zu rauf- und runtergepitcht verfremdete Begleitstimmen melancholische Vorhänge aufgezogen hat. Allmählich fallen die Verfremdungseffekte beiseite und die Vocals werden ganz Schmelz, überhaupt öffnet sich der Song jenseits repetitiver Strukturen, wird stattdessen zum intuitiven Klangweg voller trillernder Synths und verspielter Tastenläufe mit dem Groove als einziger Konstante. „The Greatest“ nimmt in traditionellerer Form einen schräg effektvermischten Minichor als Hook und Teil des Refrains, der aus der Sicht eben jenes großen Boxers fragt „Muhammad the greatest great/ The champion heavyweight/ Who wants a run with the number one?“. Mit kleinerer Soundpalette ist der Song als stapfender Funk stärker rhythmisch gewichtet, mit ausgeprägten Claps und tickenden Perkussionen, bleibt aber zwischen flächigen Synths und flinken Keyboardläufen wendig.
Mit besonders origineller Melodieführung besticht „Mister Chameleon“, „In The Meantime“ hingegen legt auf dezenten Pads und Snaps gleitend eine Zentralmelodie über nur zwei warm-langgezogene Noten an, die sich jedoch im Anlauf und Abgang, mit kleinen stimmlichen und instrumentalen Ausläufern und Nebenmelodien wie ein Fluss verästeln und so das Simple ungemein elegant, raffiniert und noch ergreifender macht. Es mag wie ein Traum wirken, doch kann man immer wieder neu darin eintauchen und weiter ergründen.


