SuunsHold/Still
| Tweet |
Label:
Secretly Canadian
VÖ:
15.04.2016
Referenzen:
Neu!, HEALTH, Chikinki, Primal Scream, The Soft Moon
|
|
Autor: |
| Mark-Oliver Schröder |
Dass Suuns aus Montreal nichts mit einer durchschnittlichen Psychedelic-Rock-Kapelle zu tun haben und es ihnen nie um bloßen Klangnachbau ging, war spätestens nach ihrer Kollaboration mit Jerusalem In My Heart im letzten Jahr klar. Wie weit die Band diese Reise jedoch führen würde und dass dabei ein Album wie „Hold/Still“ herauskommen würde, war dann in dieser Ausprägung doch nicht zu erwarten.
Kollege Uli schrieb in seiner Rezension zu Oranssi Pazuzus „Värähtelijä“, dass man bei psychedelischer Musik stark zwischen Klang und Wirkung, zwischen möglichem Soundplagiat und rauschhafter Erfahrung unterscheiden müsse. Dabei ist in ihrer klassischer Ausprägung davon auszugehen, dass der Gebrauch rauschinduzierender Substanzen, berauschtes Spiel und dann gelegentliche Transzendenz in der musikalischen Wirkung Hand in Hand gingen (manchmal ging dieser Versuch aber auch derbe in die Hose). Die musikalische Grenzwanderung speiste sich dabei meist aus THC und LSD, in den 90er-Jahren kam MDMA dazu. Heutzutage kann man Psych-Musik auch von virtuosen menschlichen Robotern (ich meine hier nicht Daft Punk) präsentiert bekommen, deren einzige transzendente Erfahrung darin besteht, dass sie mal die lange Version von „Eight Miles High“ von The Byrds gehört haben.
Die Art von Psychedelik, die Suuns hier jedoch offerieren, klingt nicht nach Hippieabfahrt oder verstrahlter Raver Romantik, sondern nach „Screamadelica“ auf purpurnem Sirup. „Hold/Still“ entwickelt im Verlauf, ach was, vom Start weg einen unwiderstehlichen somnambulen Groove, der auch schon mal ins heftig Kreiselnde geraten kann. Dass es sich bei Suuns nominell weiterhin um ein klassisch besetztes Quartett handelt, hört man ihrem Schaffen fast gar nicht mehr an. Zwar entwickelt sich diese Musik gleichwohl aus Bass, Gitarre, Keys, Schlagzeug und Gesang, dennoch kann man sich die Band, ähnlich wie HEALTH, inzwischen auf der Bühne schwerlich als Rockband vorstellen.
Strukturell und auch ästhetisch bewegt sich das von John Congleton produzierte Album sehr stark in Richtung elektronischer Musik mit ausgeprägten Repetitionen und einem offensiv eingesetzten Minimalismus. Erwähnte ich schon, dass es dabei auch noch sexy und gefährlich zugleich klingt und das schließlich auch eine Hauptzutat psychedelischer Musik ist? Nein? Dann ist das hiermit nachgereicht und es sollte schon mit dem Teufel zugehen, wenn „Hold/Still“ sich nicht am Ende das Jahres in meiner Bestenliste wiederfinden würde.


