Jack Whites Third Man Records ist auch im 15 Jahr seines Labelbestehens ein Garant für interessante und gleichsam ungewöhnliche Neu- und Wiederveröffentlichungen tief aus der amerikanischen Seele. Mit Margo Price hat er sich ein bereits von Presse und Kritik gefeiertes Juwel der kontemporären Countrymusik gesichert, die nach dem unterhaltsamen Stampfer „Hurtin‘ (On The Bottle)“ mit ihrem ersten Soloalbum verheißungsvoll nachlegen soll.

„Midwest Farmer’s Daughter“ beginnt genau so, wie man sich das von einem „all american country girl“ vorstellt. Die Gitarren haben Twang, die Tasten Honky-Tonk, das Schlagzeug Bumm-Tschak und die Stimme erinnert frappierend an eine gute Mischung aus Loretta Lynn und Tami Wynette. Nicht das schlechteste Ausgangsmaterial, doch braucht so ein ordentliches Rootsalbum auch noch jede Menge Herz und Schmerz, nicht zu vergessen diese kleinen netten oder garstigen Geschichten von Liebe, Laster und Vergessen. Price nimmt hier kaum ein Blatt vor den Mund und legt in den elf Songs nicht wenig Inbrunst und Kraft in die Waagschale. Egal ob sie zornig Beziehungsschwierigkeiten thematisiert und den Einen in „Four Years Of Chances“ für den Anderen im herrlichen Shuffle-Blues verlässt oder bei „Since You Put Me Down“ gleich den Verlust betrauert und wunderbar metaphorisch im Ärger über das Verlassensein referiert: „I killed the angel on my shoulder, since you left me for another/ I’ve been trying to turn this broken heart to stone“ – Price ist sehr rigoros und lässt sich die Butter zu keiner Zeit vom Brot nehmen.

Besonders stark sind ihre zugegeben etwas aufgerüschten Familienerinnerungen, die sie im längsten Song „Hands Of Time“ gleich zu Beginn zu Gehör bringt. In starken Bildern geht sie den Weg von der amerikanischen Farm irgendwo im Nirgendwo hin zu den leuchtenden Lichtern der Vorstadt, immer im Bewusstsein, irgendwann zurückzukehren. So amerikanisch, wie Amerika eben sein kann, stellt Price ihre Geschichten in ein eher abgetöntes Rampenlicht und nimmt wie in der grandiosen ersten Single „Hurtin‘ (On The Bottle)“ auch die Schattenseiten mit aufbrausender Energie in Kauf. Hier spielen Fiddle und Steel-Gitarre so einträchtig miteinander wie selbst in den Hochzeiten der Grand Ole Opry und das kurze „World’s Greatest Loser“ bewirbt sich in knapp über 90 Sekunden allein zu Gitarre gesungen um das Prädikat des traurigsten Countrysongs des noch jungen Jahres.

Price hat vor ihrer Solokarriere bereits Banderfahrung mit Buffalo Clover gesammelt und mit dem ebenfalls den traditionellen Country erneuernden Sturgill Simpson gearbeitet – Erfahrungen, die man auf „Midwest Farmer’s Daughter“ durchaus erkennen kann. So strahlt ihre Stimme zwar deutlich über den Instrumenten, dennoch hat ihr Produzent Jack White eine Art „Band“-Sound zur Hand gegeben, der vor allem in den bildhaften Stücken die gefällig überspitzten Erzählungen umschließt. Am stärksten ist sie allerdings dann, wenn sie wie im energischen „Tennessee Song“ der Kraft des Country-Rocks freien Lauf lässt oder im abschließenden „Desperate And Depressed“ keine Kompromisse gegenüber ihren Launen eingeht. Schon beachtlich, wie sehr Margo Price augenscheinlich an ihrem Gefühlsleben teilhaben lässt und dieses wie einen frischen Wind durch die Straßen Nashvilles ziehen lässt. Kein Orkan, aber zuweilen wird’s schon ganz schön stürmisch.

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