Junior BoysBig Black Coat

Nach vielen Jahren des Brachliegens haben sich Jeremy Greenspan und Matt Didemus wieder zusammengetan, andere Projekte liegengelassen und sich an ein neues Junior-Boys-Album gewagt. „Big Black Coat“ ist eine Hommage an eine gewisse „deep, human sadness“, orientiert an ihrer Heimat Hamilton/Ontario. Auch wenn sich dies in einer abgespeckten Version immer hinter ihren Loops, Grooves und Melodien wiederfindet, so ist das nun fünfte Werk netter und fröhlicher – auf eine ganz eigene, typische Art. Man spürt auf diesem Album eine Neuorientierung und frische musikalische Schaffenskraft – wahrscheinlich hat beiden das Konzentrieren auf andere Sachen, wie auch die zeitliche und geografische Distanz dabei, gutgetan. Es lässt ihr Projekt aufstrahlen und ganz unvorbelastet an die Musik herantreten.

Neben Techno-Anleihen finden sich besonders viele Disco-, Soul- und R’n’B-Elemente wieder, die eine elegante Mischung ergeben und Junior Boys‘ treibenden, aber doch zutiefst melancholischen Sound ausmachen. Was vormals ein musikalisch stetiges Schwelgen und Träumen war, ist auf „Big Black Coat“ frischer, extrovertierter und lässiger. Ihrer musikalischen Essenz sind die beiden treu geblieben, allerdings exerzieren sie kein auf anderen Werken bewährtes Schema F einfach durch. Vielmehr gibt das Duo der Musik eine unverwechselbare Note mit einem frischen Dreh, aus ihr spricht ein „das Leben feiern“ und „auf die Tanzfläche ziehen“ als Antagonie des kalten, trüben Nordens der Heimat – vielleicht aber gerade deswegen!

Neben einigen wirklichen Hits („Over It“, „Big Black Coat“) wechseln die Tempi stetig durch und die Kanadier ziehen auch mal eine ruhigere Saite auf („Baby Don’t Hurt Me“), kommen allerdings nie zum Stillstand. Sogar ein Cover – eigentlich nicht ihr Metier – findet sich auf dem Album wieder. Wenn man „What You Won’t Do For Love“ im Original nicht kennt, fällt das aber nicht sonderlich auf. In solch einer eigenen disco-technoiden Form haben die zwei den Song unverblümt auf dem Album eingebettet, dass er ohne Wenn und Aber zum Rest passt.

Die besondere Qualität von Junior Boys liegt in der Wechselwirkung des restlos lässigen Gesangs Greenspans mit den Beats und Sounds, die auch mal hämmern und blubbern („And It’s Forever“) – das eine kann ohne das andere nicht auskommen. Ob allein dies bezeichnend für das Albums ist, ist aber fraglich. Die Freude, wieder Musik zu machen und Traditionen neu aufleben zu lassen, sind präsenter als je zuvor und das färbt natürlich ab. Es wird ersichtlich, dass weniger Druck oder Zwang auf den beiden lasten – dieses „Baby“ (ein Wort, das sich auch sehr oft im Titel der Tracks wiederfindet) des Duos kann sich sehen lassen. “Trashig“ ist zwar ein eher unbeliebtes Wort, aber hier hat es bei Weitem eine positive Konnotation: Während beispielsweise das Debütalbum „Last Exit“ verhaltener war, so ist „Big Black Coat“ plakativer – immer dabei mit einem Augenzwinkern.

„Big Black Coat“ ist ein schönes Resümee über eine neue, aber immer noch introvertierte Stimmung und das Anschlagen erneuerter, synthie-poppiger Töne. Es hat sich auf jeden Fall etwas Tiefgreifendes verändert und es macht Spaß, dem zuzuhören – mehr Tanzen, weniger Schwelgen, so unprätentiös darf es gerne mal sein.

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