ShearwaterJet Plane And Oxbow
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Label:
Sub Pop
VÖ:
22.01.2016
Referenzen:
My Morning Jacket, Talk Talk, My Latest Novel, Sunset Rubdown, Elbow
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Vorweg gesagt: Der stimmungsvolle Folkrock mit anheimelnder Laut/Leise-Stimmung schimmert immer noch durch auf Shearwaters mittlerweile neuntem Studioalbum. „Jet Plane And Oxbow“ ist deutlich stärker rhythmusgetrieben, jedoch nicht minder atmosphärisch und lebt nachhaltiger denn je von der charismatischen Stimme Meiburgs. Aber auch die perkussive Zusammenarbeit mit Brian Reitzell, die vor allem zu einer instrumentalen Vielfalt am Schlagwerk führt, belebt den Sound des ehemaligen Okkervil-River-Nebenprojekts deutlich.
Schon die ersten Töne von „Quiet Americans“ Ende des vergangenen Jahres ließen vermuten, dass Meiburg und Shearwater den spätestens auf „Animal Joy“ eingeschlagenen Weg noch weiter ausbauen würden. Melodiegetriebene Indie-Rock-Songs, die wahlweise energetisch oder melancholisch die Welt, vor allem Flora und Fauna, aber eben auch die einfachen zwischenmenschlichen Gegebenheiten vortrefflich zu erklären scheinen. Auf „Jet Plane And Oxbow“ liegt diese Vielfalt im Detail. Folgt nach dem leicht verschleppten Synthie-Aufgalopp „Prime“ das bereits erwähnte „Quiet Americans“ mit seinem unwiderstehlichen Poprefrain, der wahlweise an Duran Duran oder Talk Talk erinnert, lässt Meiburg im Verlauf des Albums so viele Einzelfacetten wie selten zuvor in den Vordergrund treten.
So schließt an das beruhigte und in seiner Schlichtheit wunderschöne „Only Child“ mit „Glass Bones“ ein zickig-zuckender Hit für die Indiedisco an, ehe mit „Wildlife In America“ fast schon AOR dargeboten wird. Hier überrascht eine nach Elton John klingende Pianolinie, sie veredelt den an My Latest Novel aus Schottland erinnernden Song und mildert die zugegeben ein wenig befindlichkeitsfixierten Lyrics ab. Shearwater verstehen es trotz allen Variantenreichtums dennoch, die klare Linie zu halten, die mit leichter Hand inszenierten Arrangements in Einklang zu bringen. Trotz evidenten Anstiegs der Lautstärke (auch gegenüber dem schon kraftvollen Vorgängerwerk „Animal Joy“) schaffen sie keine Brüche, vielmehr entstehen durch die großen Dynamikunterschiede neue Spannungsmomente, wie im nach vorne drängenden „Radio Silence“ mit seinen Gesangspausen und dem heroischen Refrain, das schon jetzt auf die Liveumsetzung neugierig macht und nach großer Bühne schreit.
Überall auf „Jet Plane And Oxbow“ spielen Shearwater mit Licht und Schatten, mit Blickwinkeln, mit der Sicht auf Dinge, so wie sie sein sollen und so wie sie nun mal sind. Dem traurigen „Backchannels“ mit seinem Blick auf die Vergänglichkeit von Allem steht der Klang in Meiburgs Stimme genauso gut zu Gesicht wie die Worte, die er findet, um zwischen Beobachtung, Tatsache und Ursache zu unterscheiden. Ein kleines metaphorisches Spiegelbild der Gesellschaft, naturalistisch eingebettet und sanft dahinfließend, wie es typischer für diese Band nicht sein kann.
Im abschließenden „Stray Lights At Clouds Hill“ werden Shearwater so bildgewaltig wie nie zuvor. „I Move In Starlight“ singt Meiburg und lässt seine Worte über einen mondlichtdurchtränkten Soundteppich echohaft in die Ferne schweifen. „The Light Is So Bright, The Dark Is So Dark“ singt er weiter und lässt das Spiel mit hell und dunkel langsamer als im eröffnenden „Prime“ nicht nur wortgetreu, sondern auch musikalisch durch die Arrangements fließen.


