Yorkston/Thorne/KhanEverything Sacred
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Label:
Domino
VÖ:
15.01.2016
Referenzen:
Damien Jurado, The Incredible String Band, Comus, King Creosote, Trembling Bells
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Musiker, die in ihrem Leben kaum ein Album veröffentlicht haben, dem man nicht zumindest das Attribut „brauchbar“ attestiert hat, gibt es nicht allzu viele. James Yorkston ist vielleicht so einer von denen, denn dessen mittlerweile neun Alben und zahlreiche sonstige Veröffentlichungen in der Regel von unumwundener Güte zeugen. Gerade das letzte Werk, „The Cellardyke Recording And Wassailing Society“, entpuppte sich vor allem auf lange Sicht als eines seiner vollendetsten. Kann da eine Gemeinschaftsarbeit mithalten, die dem Bariton und fingerfertigen Gitarrenspiel Yorkstons auch den indischen Sarangi-Virtuosen Suhail Yusuf Khan und den ehemaligen Lamb-Bassisten Jon Thorne an die Seite stellt?
Die Verwunderung ob des eröffnenden ellenlangen „Knochentanz“, der mehr improvisierter Jam denn durchkomponiertes Liedgut ist, weicht erst nach einiger Eingewöhnungszeit. Unter die nach wie vor virtuosen Gitarrenpickings und den vollen und strukturierenden Sound des Basses mischt sich der wohlig schneidende Klang der Sarangi, ein indisches Saiteninstrument, dessen Klangspektrum sich deutlich von dem seiner europäischen Streicherverwandschaft unterscheidet. Deren variantenreiche Vibrati und Melodiebögen lassen die entweder schottischer Folklore zugrundeliegenden Eigenkompositionen oder Coverversionen immer in einem neuen Licht erscheinen, doch nicht immer beweisen die drei Hauptakteure hier ein gänzlich glückliches Händen.
So hübsch zum Beispiel das sich an traditionellen Songmustern orientierende „Broken Wave“ beginnt, fällt es hier leider dann doch mit dem kurzen Gesangseinsatz Khans in sich zusammen. Zu sehr driften hier zwei Welten aufeinander zu, zu sehr entsteht ein kurzfristiger Bruch, den auch die abschließende Wiederaufnahme des Gesangs durch James Yorkston nicht gänzlich kitten kann. Ganz anders wiederum fügen sich die drei auf dem Papier ungleichen Musiker bei „Little Black Buzzer“ und „Song For Thirza“ zusammen. Beides sind Cover, beide mit Unterstützung der irischen Sängerin Lisa O’Neill zu Gehör gebracht und beide anschmiegsam wie eine Horde kleiner Kätzchen. Vor allem Ersteres, im Original von Ivor Cutler, erzeugt ein unnahbares Gefühl von Fernweh und Sehnsucht, lässt aber auch die augenzwinkernde Stimmung des Originals nicht außen vor. „Song For Thirza“, im Original von Lal Waterson, ist ungleich ruhiger, nimmt die Kindheitserinnerungen des Textes behutsam auf und entpuppt sich mit Hilfe der orientalischen Schleifen als Höhepunkt auf „Everything Sacred“.
Vieles auf „Everything Sacred“ funktioniert aus dem Bauch heraus, teilweise erwecken die Musiker gar rauschhafte Zustände. Vor allem dann, wenn sie es in den längeren instrumentalen Passagen einmal nicht ganz genau mit Metrum und Takt nehmen, Khan seine Stimme zum Himmel erhebt und Jon Thorne wie im abschließenden „Blues Jumped In The Goose“ sein Instrument fast perkussiv bearbeitet. Doch dann führt Yorkston sie mit mäandrierendem Gleichmut zurück und verbindet die Elemente zu einem vielfältigen, nicht immer vollends zueinanderpassenden Gesamtkunstwerk.
Es bleibt somit dann schlussendlich doch zwiespältig, denn demjenigen, dem die sortenreinen Folkweisen Yorkstons gefallen, wird es nicht immer leicht fallen, den neuen Klangkosmos vollends liebzugewinnen. Nicht immer gelingt den Musikern hier die erfüllende Symbiose oder – und das passiert vor allem in den instrumentalen Passagen – sie braucht dann doch erheblich zu viel Zeit.


