HindsLeave Me Alone
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Label:
Lucky Number
VÖ:
08.01.2016
Referenzen:
Black Lips, The Walkmen, The Coathangers, Bed Wetting Bad Boys, Pavement, The Stevens
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Eine harmonische Melodie. Präzises Instrumentalspiel. Deutliche Aussprache und korrekte Grammatik. Sauber getroffene Gesangstöne. All dies sind Regeln, denen folgend man Musik erschaffen und auch beurteilen kann – und es sind Regeln, die das spanische Quartett Hinds auf seinem Debütalbum „Leave Me Alone“ launisch-launig aus dem Fenster schmeißt.
Jener Wurf ist ein Garage-Pop-Flickenteppich mit Aufnahmen von unterschiedlicher Qualität („Bamboo“ mit seinem resolut schiefen Gesang ist nur eine polierte Fassung der 2013-er „Demo“ aus der Phase, als die Band lediglich aus den Gitarristinnen Carlotta Cosials and Ana García Perrote bestand), doch zugleich auch mit variablem Spiel nie zu vorhersehbar. Ob in gemütlichem Schrammel-Rock bei „Warts“, sonnigem Jangle wie „Chili Town“ oder dem Überschwang von „San Diego“, stets sind die Vocals unverhohlen nach vorne abgemischt und wollen gar nicht erst jegliche Unsauberkeiten kaschieren. Lediglich Verzerrung und Hall verhindern, dass sie zu offenbar werden.
Trotz des muttersprachlichen Titels tragen Hinds auch in „Castigadas En El Granero“ ihre Texte in gebrochenem Englisch vor, nicht nur mit erwartungsgemäßem Akzent, sondern auch voller merkwürdiger Formulierungen und holpriger Satzkonstruktionen („You should know/ We write about you all the songs/ And i would kill your dogs/ if i knew who your boxers belong“). Ist dafür doch oft genug aus dem Zusammenhang klar, was gemeint ist, besitzen Hinds andererseits Melodiegespür und solide Songkonstruktion: Als Unterbrechung der ruhig intonierten Strophen schweift die Leadgitarre in melancholisch-hochtöniges Zwischenspiel ab, nach dem lauthalsigem Refrain kappt der Jangle-Rock auf weniger als halbes Tempo herunter, um unter Führung des dräuenden Basses wieder volle Fahrt aufzunehmen.
Dass die Drums mehr hüpfen als dass sie niederhämmern und Cosials und Perrote beim Singen gerne einander ins Wort fallen oder einzelne Worte zur Betonung nachrufen, gibt so auch den wehmütigeren Momenten einen ungestümen Auftrieb. Was man von diesem Album hat, hängt vor allem auch davon ab, wie viel Reiz man einem solch undisziplinierten Treiben entnehmen kann. Aber das ist ja das Schöne an musikalischem Ausdruck: Es gibt mehr als nur einen Weg, und der muss auch nicht einmal gerade sein.


