AUFTOUREN 2015 - Die Musikvideos des Jahres

15

 

Carnage – November Skies ft. Tomas Barfod & Nina K

Regie: Saman Kesh

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Zwischen Nachtluft atmenden Ruhebildern und präzise chaotischen Temposchnitten vermengt Saman Kesh durchdrogten Partyhedonismus und modernes Schauermärchen zu einer blutigen, beatsynchronen Enthauptungs-Sage.


14

 

Oneohtrix Point Never – Sticky Drama

Regie: Jon Rafman & Daniel Lopatin

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Live-Rollenspiel anno 2015: Dronen, Säureattacken und Hoverboard. Aus Spaß wird Ernst wird Spaß.


13

 

Keffer – Rouge

Regie: Loïc Andrieu

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Wo kommt das Blut her? Auch wenn man es letztlich immer erfährt, ist die Auflösung dieser Frage weniger packend als die liebevolle Ausstaffierung der verschiedenartigen Szenen aus imaginären Filmen, durch die Andrieu abwechselnd zoomt.


12

 

Missy Elliott – WTF

Regie: Missy Elliott & Dave Meyers

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Missy Elliott mit einem Video, wie es wohl nur Missy Elliott bringen kann. Anderenfalls würde vielleicht auffallen, dass es nicht ein Budget wie ihr früheren Werke zur kommerziellen Hochphase des Musikvideos hatte, aber sie hat einfach genug Style-Ideen und visuelles Flair, um solche Beschränkungen zu transzendieren.


11

 

Jabberwocky ft. Ana Zimmer – Fog

Regie: Ugo Bienvenu & Kevin Manach

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Ein Stück zeitlos klassischer europäischer Animation, das bei wenig Handlung mit seiner eigentümlichen Farbgebung und eigentümlichen Designs eine betörend verstörened Eigenwelt erschafft.


10

 

Kendrick Lamar – Alright

Regie: Colin Tilley & The Little Homies

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Bei aller offensichtlichen sozialen Relevanz haben Lamars beste Videos auch eine geradezu schelmische Verspieltheit. Sei es hier, wie er über die Straße gleitend das Zughorn bedient, oder wie aus dem Auto, das das betanzte Polizeiauto umkreist, beim Seitenslide die Geldscheine nur so fliegen. Selbst nachdem er niedergeschossen wird, ist sein letzter Blick ein verschmitztes Lächeln – lebensbejahend.


9

 

ON AN ON – It’s Not Over

Regie: Carlos López Estrada

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Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Kein Weg ist zu weit, kein Hindernis zu groß um die laufende Verabschiedung des fahrenden Zuges fortzusetzen


8

 

Run The Jewels feat. Zack de la Rocha – Close Your Eyes (And Count To Fuck)

Regie: AG Rojas

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Das ganze Video über spielt sich ein einziges Gerangel ab, und doch darüber so viel mehr. Es ist sicher nicht so brutal wie das, was regelmäßig in Smartphone-Aufnahmen vom exzessiven Machtmissbrauch von Seiten der Staatsgewalt zu sehen ist – doch hat Rojas ohnehin mehr daran Interesse zu zeigen, wie ermüdend die zu nichts führende Gewalt letztendlich ist.


7

 

Battles – The Yabba

Regie: Roger Guàrdia

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In dieser Liste findet sich bis hierhin keine Performance einer Gitarrenband – aus gutem Grund: Videos von Gitarrenband-Performances sind praktisch immer langweilig. Dass Battles keine normale Gitarrenband sind, macht sich Roger Guàrdia zu Nutze und spinnt eine ebenso ungewöhnliche, elegant kreisende Bilddynamik um das Spiel des Trios, die die unerwarteten Abwege ebenso mitgeht wie die frenetisch staksigen Läufe.


6

 

M.I.A. – Borders

Regie: M.I.A.

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Es ist potentiell bedenklich, wie hier Körper als Baumaterial für ein Popvideo genutzt werden – doch was wäre ein M.I.A.-Video ohne Provokation? Worauf es ihr, die schließlich selbst politischer Flüchtling ist, ankommt, zeigt sich aber daran, dass sie sich nicht nur solidarisch dazugesellt, sondern die Kamera auch die Gesichter der Menschen betrachtet, die mehr als Körper oder Zahlen in einer Statistik sind.


5

 

Rihanna – Bitch Better Have My Money

Regie: MEGAFORCE & Rihanna

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Mit „Bitch Better Have My Money“ hat sich Rihanna endgültig zum IDGAF-Popstar gemacht: in Worten, mit denen der Song die alte Devise „Fuck you, pay me“ neu einfordert; mit dem schamlos makabren und lässigen Video, das zwischen Gewalt, Drogen und „Immer Ärger mit Bernie“-Hommage so wenig halbe Sachen macht wie eine Rihanna, die erst einen Anruf beendet, dann das Telefon ins Meer schmeißt und es dann mit einer halbautomatischen Schnellfeuerwaffe in der Luft zerschießt. Nicht zu vergessen das Addendum zum Clip: Aus der Egoperspektive von Mads Mikkelsen kann man in einer Virtual-Reality-App dabei zusehen, wie man von Rihanna kastriert wird und sie diebisch lächelnd mit dem abgeschnittenen Glied umherwedelt, bevor man endgültig vom Blutverlust ohnmächtig wird. Zero fucks given.


4

 

Namie Amuro – Golden Touch

Regie: Kenji Yamashita

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Moderne Haptik, andersherum gedacht: Statt einer tatsächlich steuerbaren App kreiert Yamashita die Illusion von Interaktivität, indem sich das Video um einen Punkt in der Mitte abspielt, auf das man den Finger legt. Das ist nicht nur bei so ziemlich jeglicher Art von Bildschirm in Greifreichweite möglich, sondern entfaltet seinen Effekt genialerweise auch nur, wenn dort tatsächlich ein Finger unbewegt aufliegt – statt alltäglicher Interaktivität erfordert es ein statisches Mitwirken.


3

 

Vince Staples – Señorita

Regie:  Ian Pons Jewell

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Eine amerikanische Dystopie, beklemmend, eindringlich und trotz Grautönen farbenfroh gefilmt – und dann diese finale Einstellung. Ein sanfter Schlag.


2

 

siska – Unconditional Rebel

Regie: Guillaume Panariello

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Egal, dass dies nicht das erste Musikvideo mit der Idee ist, in einer schnellen Kamerafahrt sekundenlange Action über eine weite Strecke einzufangen und dann im Zeitraffer wiederzugeben: Grandios wird der Clip, weil er es nicht bei der aufwändigen Technik belässt, sondern durch zusätzlich eingefügte Elemente (wer würde schon die gleiche Katze zweimal gleichzeitig fliegen lassen können?) die Action zunehmend ausarte lässt.


1

 

FKA twigs – M3LL155X

Regie: FKA twigs

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Ist das noch Musikvideo oder schon Kurzfilm? FKA twigs schafft beides, denn weil sowohl die Songs der „M3LL155X“-EP ein Kontinuum formen als auch die Videos dazu die einzelnen Stücke illustrieren, bilden auch die fünf Clips wiederum eine Einheit. Wie gelungen das ist, zeigt sich daran, dass es schwer fällt, mit dem Zuschauen mittendrin aufzuhören – man will auch beim xten Mal wissen, was als nächstes in dieser surrealen Meditation über sexuelle Machtdynamiken, Missbrauch und Selbstermächtigung geschieht.

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