Girls Pissing On Girls PissingScrying In Infirmary Architecture
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Label:
Muzai
VÖ:
04.09.2015
Referenzen:
Liars, The Drones, Skeptics, These New Puritans, Total Control, Bushwalking, Lullabye Arkestra
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Tjaja, der Name, juvenil provokant und spätestens in Sachen Bildern bei einer derart wenig bekannten Band nicht zur Onlinesuche ohne Kinderschutz empfohlen. Er ist sicherlich das größte Manko des Aucklander Quintetts, das in seiner Musik zwar auch nicht vor Schockeffekten zurückschreckt, diese jedoch auf „Scrying In Infirmary Architecture“ weitaus durchdachter einzusetzen weiß – und mit gedanklich losgelösten Freiflügen vermengt.
Wobei: Der größte Schock ist eigentlich der Einsatz eines butterigen Saxophon-Solos im Höhepunkt des ohnehin schon relativ eingängigen „Rainbow Islands“, nachdem das Album doch bis dahin einen ziemlich barschen Grundton hatte. Über staksig herunterrollenden Tom-Toms zerlegt die Gitarre so in „Behold The 12th House“ graupelige Akkorde, der Basslauf erhöht seine Anschlagsfrequenz nur phasenweise auf mehr als einen pro Takt und Bandgründer Casey Latimer kleidet seinen Wortgeifer in unmelodischer, leicht krächzender Intensität. Doch schon der Sechsminüter ist nicht nur wegen seiner Länge kein typisch trockener Postpunk, durch weiten Hallraum geben ihm zunächst wortlos heulende Hintergrundgesänge atmosphärische Tiefe, bis sich der Klimax in engem Beieinanderstehen von monotonen Vocals und Saiten klaustrophobisch verengt.
Das Ende des Stücks deutet zudem schon die Hörner an, deren blechernes Dröhnen dem Album immer wieder fast schon kammerorchestrale Note verleihen können. Schwelen sie unter den heiseren Gurgelschreien Co-Vokalistin Ak Buk und Latimer im abgründig bassigen „Darwinning“ mehr als Klangfarbe eingebunden, spielen sie gen Ende von „Scrying“ und vor allem in „A Fraud Abroad“ geradezu majestätisch auf, ohne tatsächlich die Führung zu übernehmen. Auch die Geistersynths, mit denen sich die Blechbläser in „Ceramic Miscarriages“ und „Pollen Moon“ beklemmend vermengen, vertiefen die stimmungsvolle Wirkung dieser Songs, die trotz des strukturierten Zusammenspiels der Band nicht durchdacht wirken.
„Failed Exorcism“ eröffnet das Album mit einem Morast aus doomigem Kontrabass und den wirren Reden eines jener Verschwörungsvideos, wie es sie online zuhauf gibt. Derartige Präsentationen bombardieren einen geradezu mit einer Flut aus Bildern und Worten, reißen mehr oder minder überprüfbaren Fakten aus jeglichem Kontext und suchen sie entlang einer haarsträubenden Prämisse wirr entlangzufädeln. Im Gegensatz dazu überzeugt „Scrying In Infirmary Architecture“, weil es seine sonischen Welten aus dem Unterbewusstsein aller Beteiligten zu ziehen scheint. Es ist Musik, die heraufbeschworen wird, nachdem sich die Band die eigenen Knochen ausgekotzt und daraus einen schamanischen Altar zusammengezimmert hat – ein wahres Aus-sich-selbst-heraus-Gehen.




Nur Schade, dass die Band einer Deutschen Journalistin in Auckland Morddrohungen geschickt hat, und generell Deutsche gerne mal einfach als Nazis betitelt. Tja.
Melli
Danke für die Info, das verdient gewiss keine Unterstützung.