Carly Rae JepsenE•MO•TION
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Label:
Interscope
VÖ:
25.09.2015
Referenzen:
Chairlift, HAIM, Blood Orange, Annie, Sky Ferreira
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Autor: |
| Uli Eulenbruch |
Über 200 Songs hat Carly Rae Jepsen für ihr drittes Album geschrieben und darunter mit „Run Away With Me“ doch genau denjenigen gefunden, der zur Eröffnung den exakten Wegweiser setzt. „Baby! Take me! To the! Feeling!“ Wie niemand sonst hat sich die Kanadierin der Manifestierung eines Gefühls in ihrer Musik verschrieben, soweit, dass sie selbst dahinter auch mal verschwindet und das Thema eine größere Rolle in ihren Werken einnimmt als sie selbst. Obwohl “E•MO•TION“ auch auf dem Cover die Definition einer ganzen Kategorie liefert, geht es in ihren Songs eigentlich aber nur um ein einziges bestimmtes Gefühl: Die Liebe.
„Gimmie Love“ bittet sie dann auch konkreter ein paar Songs weiter, die luftige Forderung schwebt einzig über einem leicht knöchrig hallenden Basskick mit verzogener Anschlagsdoppelung und einem ins Leere klingenden Fingerschnippsens.
Ernster als auf „Kiss“ ist ihre Klangpalette geworden, etwas rauer und mit Glanzabschabungen sogar stellenweise so reduziert wie hier. Doch Reduktion oder Dämpfung ist nur zu einem gewissen Grad nützlich und sinnvoll. Jepsens Musik porträtiert Liebe als ein Flattern und Tirilieren und Jauchzen und Blubbern und Flirren, als die ausschweifende Übermacht, der letztlich nur durch Herzensbruch Einhalt geboten werden kann. Es verwundert nicht, dass sie damit das Jahrzehnt kanalisiert, in dem Emotionen am größten geschrieben wurden – doch gab es eine Sidechain-Produktion wie „Your Type“, unter deren Last sich Jepsen erneut dutzendfach entschuldigt, selbstredend in den 80ern nicht.
Perfekt ist sie gewiss nicht und manchmal einfach seltsam. Jepsens besonderes textliches Talent ist der unerwartete Angriff von Linksaußen, Drohungen wie das „who gave you eyes like that/ said you could keep them“ in einem vermeintlich geradewegs bekundenden, dutzendfach mit „really“ betonten „I Really Like You“. Auch musikalisch webt „E•MO•TION“ subtil Misstöne ein, von den Mollakkorden, die den Eröffnungssong tragen über absichtlich neben der Harmonie gesungene Vocals bis zur extraordinären Harmonieprogression, die den letzten Refrain von „Show Me “ würdevoll variiert. Der Düsterkeit fällt Jepsen jedoch nur selten wie in „All That“ anheim, uncharakteristisch und auch unangenehm erscheint da schon „L.A. Hallucinations“, wenn sie sich zu nahe am banalen Alltag über Buzzfeed und Authentizität auslässt. Doch da schaltet der Song in weitäugigen Jepsen-Modus und erweckt mit „Planes I’m hopping/ cards I’m dropping/ No shop can fill em up“ eine greifbare Wunderwelt zum Leben.
Der Song wirkt auch deswegen zunächst so befremdlich, weil Jepsen zwar weit ab vom überhöhten Image-First-Popstar ist und ohne Instagram-Kampagne „Call Me Maybe“ vielleicht auch nur über den Umweg des Bieber/Gomez-Karaoke weltumspannend populär wurde, scheint es Jepsen eigentlich nur darum zu gehen, Popsongs zu machen. Das mag den höchsten Chartstatus schwer machen, wenn sich die Strategien nicht nur der Major Labels der Popularisierung über andere Kanäle als erfolgreicher erwiesen haben, aber sei’s drum: „E•MO•TION“ ist großer Pop, und das kann man auch einfach hören.


