Bob MosesDays Gone by

Jimmy Vallance und Tom Howie haben keine Zeit zu verlieren. Das lässt zumindest ihr Releaseintervall vermuten. Im Frühjahr erst erschien die Compilation „All In All“, ein halbes Jahr später folgt mit „Days Gone By“ jetzt das Debütalbum der Kanadier. Aber wer kann, der soll, und Bob Moses können fraglos.

Sie selbst nennen ihre Musik Electronica, was den Schalter in Sachen Möglichkeiten schon mal weit nach oben setzt. Die konkreten Einflüsse lassen sich mit Ambient Deep House, Deep House und klassischem Pop aber ziemlich klar identifizieren, auch wenn der Einflussbereich damit sicherlich immer noch sehr großzügig abgesteckt ist. Von Weval und David August über Gidge und Kiasmos bis Jack Beauregard oder Howling – von allen ist irgendwie etwas dabei.

„Far From The Tree“ eröffnete die Compilation aus dem Frühjahr atmosphärisch dicht und mit einem beinahe gehauchten Text, der sich wie weißer Rauch durch das nächtliche Deep-House-Konstrukt des Songs schlängelte. „Like It Or Not“, der Eröffnungstrack des Albumdebüts, klingt ähnlich, bekommt aber zusätzlich fünf simple Pianoakkorde und eingestreute Geräusche spendiert, die nach U-Bahn und Wassergluckern klingen. Durch diese organische, etwas düster anmutende Klangumgebung fließt pure Ausweglosigkeit: „Like it or not, you know it’s true/ There isn’t much that you can do/ Feeling so small, you feel it, too/ Feeling it all inside of you.“ Klingt nihilistisch, passt aber gut zur Melancholie, die Bob Moses‘ Sound versprüht. Der bittere Beigeschmack der Lyrik zieht sich auch durch die meisten anderen Songs.

Die erste Single „Too Much Is Never Enough“ zum Beispiel bedient lyrische Tristesse in ähnlicher Weise: „You lose it all before you feel the blame/ The taste of medicine won’t take away/ You claim an innocence don’t heal the pain/ It’s not enough to live a life in vain/ So you go and do it all again.“ Vallance und Howie scheinen keine Kinder ausgelassener Freude, sondern eher von kultivierter Schwermut zu sein. Für die helleren Momente sorgt die Musik, sei es durch mehr Druck oder Ausflüge in Richtung Dur. „Talk“ lässt nach gut anderthalb Minuten einen satten Deep-House-Bass auf die Ohrmuscheln los, Claps inklusive. Insgesamt hat der Song einen sehr housetypischen Aufbau mit Interlude, langsamem Spannungsaufbau, Breaks, Drops und ausgedehntem Outro. „Before I Fall“ ist allein schon wegen der eingebauten Gitarrensounds näher dran am Pop und hält sich mit vier Minuten Laufzeit auch im Hinblick auf die Songlänge eher an derlei Konventionen. „Writing On The Wall“ schaltet mit seinen tonangebenden Keyboardakkorden tempomäßig wieder auf Zeitlupe und füllt die Leerstelle zwischen den Konzepten „Band“ und „House-Projekt“ einmal mehr mit Howies weicher Stimme und ebenso watteweichen Beats.

Musikalische Fehlgriffe oder Repetitionen finden sich auf „Days Gone By“ keine. Im Gegenteil schöpfen Bob Moses in ihrem Regal mit House- und Popzutaten aus dem Vollen und geben jedem Song eine eigene Note. So wirft das Debütalbum des Duos von tanzbar-aufgekratzt über elegant-kühl bis bis elegisch-atmosphärisch einiges in die Waagschale. Mal sehen, ob sich Howie und Vallance nach dieser zweiten großartigen Veröffentlichung eine kleine Pause gönnen oder sie ihren Rhythmus beibehalten und ein Nachfolger schon im nächsten Frühjahr das Licht der Welt erblickt.

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