Vorweg genommen: Hörern, die sonst dem Zeitlupen-Doom von zum Beispiel Bohren & Der Club Of Gore zugeneigt sind, kommt das dritte Album von Majical Cloudz wie eine rasante Abfahrt vor, doch nimmt sich das kanadische Duo deutlich mehr Zeit für die Entfaltung ihrer Songs als auf den Vorgängern. Manchmal vielleicht zu viel?

Wie schon auf „Impersonator“ lotet Devon Welsh die melancholische Seite seiner meist schlichten Popmelodien komplett aus. Mit schmeichelnder Stimme führt er seine Zuhörer durch weiche Klangbetten, deren elektronische Ausgestaltung häufig aufreizend nah am Rande der Belanglosigkeit vorbeischlittert. Was böse klingt, gehört wohlmeinend zum Konzept und sorgt durch seine einlullende, wiegende Wirkung für ein heimeliges Wohlbehagen. Das bereits als Single voranschreitende „Silver Car Crash“ geht hier mutig los, indem es das lyrische Smiths-Ich von „There Is A Light That Never Goes Out“ erneut in die Bredouille bringt: „I want to kiss you, inside a car that’s crashing, and we will both die laughing.“ Dazu blubbert dichtes Streicherdickicht und Welsh singt mit nicht ganz so umwerfender Larmoyanz von Leben, Liebe und Tod.

Nicht dass Welsh‘ Stimme ähnlich charakterstark wäre wie die eines Stephen Patrick Morrissey, ist sie es aber doch, die die zuweilen deckungsgleichen instrumentalen Zutaten variantenreicher erscheinen lässt. Etwa bei „Downtown“, neben „Silver Car Crash“ sicherlich ein Höhepunkt des Albums, das trotz einfachster Textbausteine durch den spannungsgeladenen Gesang greifbar und plastisch erscheint und Welshs Verrrücktwerden vor Liebe fast schon gegenständlich nachvollziehen lässt. Im folgenden „Easier Said Than Done“, dessen musikalische Ausgestaltung noch minimalistischer daherkommt als zuvor, wirkt Welsh hingegen trotz merklicher Inbrunst am Ende fremdkörperhaft und wenig in Kontakt mit all den zirpenden und sirrenden Nebengeräuschen.

„Are You Alone?“ ist immer dann besonders fesselnd, wenn sich Stimme und Arrangement dicht aneinander vorbeischieben, so als ob Welsh sich die von Owen Pallett inszenierten Streicher- und Pianotupfen wie eine Decke überstreifte. Etwa dann, wenn in „Game Show“ ein zarter Spannungsbogen zu einem minimalem Gefühlsausbruch führt oder im fein nuancierten „So Blue“ auch die xte Wiederholung der Titelzeile nicht redundant wirkt. War „Impersonator“ in Teilen noch von sanftem Experimentierwillen geprägt, scheinen sich Welsh und sein Bandkollege und Produzent Matthew Otto für „Are You Alone?“ mehr an die Schaffung von Atmosphäre und Zusammenklang gemacht zu haben. Dass dabei, trotz allen Gefühls, auch mehr als ein Hauch Abwechslung von Nöten ist, ist leider nicht immer erkennbar.

So bleibt ein Zwiespalt, der sich nicht so richtig auflösen lassen will. Man möchte Songs wie das immerhin leicht Tempo aufnehmende „Control“ eigentlich nicht mehr loslassen wollen und doch bleibt die richtige Liebe auf der Strecke. „Are you alone? What do you say“ singt Welsh im Titelstück, dessen stetiges perkussives Vorantreiben fast ein wenig Unruhe verbreitet. Und gleich danach hat er auch die Antwort parat, deren Indifferenz ein wenig das gesamte Album widerspiegelt „I don’t know what I would not do to know“.

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