Nein, ihren feinen Sinn für Humor haben Built To Spill auch sechs Jahre nach ihrem letzten Album nicht verloren. „All Our Songs“ heißt die sich windende sechsminütige Albumeröffnung, die immer wieder neu ansetzt, um den richtig austarierten Anschub zu bekommen. Sie hält Wort und kommt herrlich selbstreferentiell und dabei erfrischend wie eh und je daher. Auch im etwas zurückgelehnteren „Some Other Song“ kokettiert die Band mit ihrer ausgedehnten Historie („I don’t know how to never fall apart/ Still wondering how to never fall apart“).

Die Männer um Doug Martsch können sich die Späße locker leisten, denn in Wirklichkeit hat „Untethered Moon“ nicht viel mit einem Rückblick in die Vergangenheit zu tun. Die Band entwickelt ihren Legendenstatus spielerisch leicht weiter, schickt etliche Songs in Rennen, die sehr zügig ihren Platz in Best-Of-Sets finden werden (oder auch schon längst gefunden haben) und zeigt vor allem in der zweiten Hälfte, wie mitreißend Indie-Rock auch heutzutage noch klingen kann.

Während über die erste Hälfte, die im überschäumenden „Living Zoo“ ihren Höhepunkt hat, noch die sonnigen Klänge dominieren, lösen sich deren melodiöse Momente in der zweiten geradezu im ständigen Wechsel mit überraschend schwermütigen Gitarren ab. Ein gewisser Zynismus legt sich immer wieder in Martschs Stimme. Wenn er im verzerrten „C.R.E.B.“ wild drauflos zetert, verleiht das dem Schaffen der letzten zehn Jahre zwar keine komplett andere Richtung, aber mindestens eine neue Facette. Dass sich Ausflüge wie dieser oder auch das weitläufig dröhnende „So“ vollkommen reibungslos und wie selbstverständlich in „Untethered Moon“ einbetten, ist ein weiterer Beweis für das unfassbare Gespür der Band.

Es ist ein Gespür, das weit über das Schreiben einnehmender Melodien und den einmalig energiegeladenen, stakkatohaften Aufbau der Songs hinausgeht. Vielmehr haben sich Built To Spill eine Art Pioniergeist beibehalten, der auch mit diesem Album keinen Millimeter aufgeweicht wird. Sicherlich, das Fundament steht seit Gründung der Band. Und doch war sie immer forsch, beherzt und sich nie zu schade, an einigen Stellschrauben zu drehen, um nicht in der Vergangenheit gefangen zu bleiben – im Falle von „Untethered Moon“ sogar an recht vielen.

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