Im Gegensatz zu anderen Punkgruppen kann man Coliseum eines nicht vorwerfen: dass sie sich mit dem Erreichten zufrieden geben und im Status Quo verharren. Die technische und künstlerische Weiterentwicklung war bisher bei jedem neuen Album deutlich wahrnehmbar, der Biss ging dabei nie verloren. Fast scheint es, als habe die Band ein Patentrezept für diesen Erfolgsweg, der sich vor allem durch das richtige Augenmaß auszeichnet.

Und tatsächlich stellt „Anxiety’s Kiss“ schnell eine weitere Entwicklungsstufe von Coliseum dar. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich auch hier wieder der Wechsel zwischen Stilen und Genres vonstatten geht. Dominiert wird das Album jedoch von einer noch breiteren Hinwendung zu den Klängen des Post-Punks der 80er-Jahre. Den hat die Band zwar schon seit einigen Jahren an Bord, doch so dicht gedrängt traten die kalt-abweisenden Klänge noch nie ans Tageslicht. In dieser Hinsicht ist der Albumtitel natürlich perfekt gewählt. Die Angst, das ungute Gefühl, schleicht sich gleichsam unaufhaltsam wie indifferent an das gebannte Opfer heran.

Dabei sieht anfangs alles noch ganz anders aus: Der Eröffnungssong „We Are The Water“ ist Punk traditioneller Prägung, mit dem Coliseum schnell im Vorbeigehen beweisen, dass sie das Gespür für einfache, gut auf den Punkt gebrachte Melodien nicht verloren haben. Dass der schlagkräftige Song großen Appetit auf ein Album ganz in diesem Stil macht, ist ebenso wenig überraschend wie der Richtungswechsel, der danach folgt. Hier und da schimmern die eigentlichen Wurzeln der Band immer durch; der offensive Punch wird hier durch eine bedrohliche Verteidigungshaltung ersetzt. „Comedown“ etwa, der wohl aggressivste Song des Albums, geht weit über Hardcore Punk hinaus, bedient sich im Industrial und zieht so ganz neue Grenzen.

Das aufreizend lasche „Dark Light Of Seduction“, der längste Song des Albums, hat zwar eine ganz andere Herangehensweise – die Bedrohlichkeit wird hier durch Reduktion geschaffen -, aber die gleiche Wirkung. Coliseum loten permanent aus, wie weit sie gehen können. Die leichtfüßigen und intuitiven Momente leiden sicherlich etwas unter diesem Anspruch. Das bedeutet nicht, dass „Anxiety’s Kiss“ konstruiert klingt, doch eine Spur mehr Geradlinigkeit hätte in diesem Fall sicherlich gut getan.

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