Mit „All Things Shining“ veröffentlicht Chris Pandolfo alias Clouds Collide nach „Until The Wind Stops Blowing…“ und diversen EPs sein zweites, wieder weitestgehend im Alleingang eingespieltes und veröffentlichtes Album. Auf dem Vorgänger verhandelte er noch über weite Strecken den Verlust seiner auch auf dem Cover zu sehenden Mutter und somit Gefühle wie Trauer, Wut und das Zurückbleiben, verpackt in eine eisig-harsche Lo-Fi-Produktion. Das Setting für „All Things Shining“ hingegen beschreibt er als eine Auseinandersetzung mit den Jahreszeiten, namentlich mit dem Frühling, und dem Kommen und Gehen. So verwundert es auch nicht ganz so sehr, wenn er den Fokus wesentlich mehr auf atmosphärischen Shoegaze und Dream Pop legt, die unter dem Sound des Vorgängers schon immer präsent waren.

Überhaupt ist in der Produktion der offenkundigste Wandel vollzogen worden, denn sie ist wesentlich professioneller geworden – klarer, voluminöser -, was den einzelnen Songs und besonders dem Albumfluss sehr zugute kommt. Statt des in seinen Grundzügen harschen Klangbilds herrscht nun ein geradezu weicher Sound vor: Die Gitarren klingen zwar einmal mehr wie Mandolinen, aber zudem treten Streicher, Piano und Synths auf den Plan. Die Musik bekommt einen klareren Bass, wird insgesamt strukturierter, differenzierter im Raum angeordnet. Das Schlagzeug versteigt sich in ruhigeren Postrock-Passagen in fast verspielte Grooves, die aber jederzeit in Blastbeats überführt werden und explodieren können.

Solch ruhigere Momente entwickeln einen fast schon an Pop gemahnenden zärtlichen Charakter (diesbezüglich muss man sich nur mal „Blossom“ anhören), auch wenn Melancholie, Frustration und Wut weiterhin sicherlich nicht zu kurz kommen, nur ein Augenzwinkern entfernt. Und der Gesang? War es auf „Until The Wind Stops Blowing…“ noch zu bedauern, dass Pandolfo nur einmal mit seiner Klarstimme experimentierte, räumt er ihr auf „All Things Shining“ wesentlich mehr Raum ein. Sie übernimmt die Hauptvocals und die Black-Metal-Vocals kommen nur noch pointiert zum Einsatz, streckenweise treten die beiden gar in einen Call-and-Response Dialog oder singen im Duett.

„All Things Shining“ ist mit Sicherheit Clouds Collides bisher ambitioniertestes und in seiner ganzen Darbietung auch bestes Werk, was vielleicht auch am eher versöhnlichen Grundkonzept des Frühlings liegt. Nichts, aber auch gar nichts an diesen Album ist überflüssig und ich lasse mich immer wieder gerne von ihm davontragen. „All Things Shining“ sei allen ans Herz gelegt, die vom letzten Alcest-Album leicht enttäuscht waren, aber auch jenen, die vielleicht noch einen (Quer-)Einstieg in die wundersame Welt des (Post-)Black Metal suchen. Ausgesprochen tolle Platte, auch oder gerade jetzt im Sommer!

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