Jacco GardnerHypnophobia
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Label:
Full Time Hobby
VÖ:
08.05.2015
Referenzen:
The Byrds, Syd Barrett, Duncan Browne, John Maus, Maston, Love
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Das erste Album des niederländischen Multiinstrumentalisten nannte sich „Cabinet Of Curiosities“ und spielte bereits mit der verwunschenen Stimmung zwischen Tag und Nacht. „Hypnophobia“, also die Angst vorm Schlafen, begibt sich noch ein wenig tiefer ins psychedelische Dickicht, das Jacco Gardner mit allerhand Tasteninstrumenten ausstaffiert hat.
Beim ersten Durchlauf wirkt „Hypnophobia“ wie ein vergessenes Relikt aus den 60er-Jahren. Barocker Pop und psychedelische Folkmelodien entsprachen damals dem Zeitgeschmack und folgt man dem Album über seine knapp dreiviertelstündige Spieldauer, ist man durchaus angekommen und sortiert sich irgendwo zwischen Syd Barrett, The Byrds und Duncan Browne ein. Nun haben sich verstiegene und psychedelische Popinszenierungen in den letzten Jahren durchaus als lohnende Wiedergänger erwiesen, doch die Konsequenz, mit der Gardner die Sounds auf „Hypnophobia“ anordnet, hebt sich deutlich von den ansonsten eher zitierenden Mitstreitern à la San Fermin ab.
Das Album fällt zunächst einmal durch seinen Klang auf, der warm, schmeichelnd und dicht erscheint. Melodien und Rhythmen, auf unterschiedlichsten, teilweise obskuren Quellen wie dem Optigan bis zur Unendlichkeit reichend vorgetragen, vermitteln einen ersten Eindruck dessen, was Gardner auf „Hypnophobia“ im Schilde führen könnte. Nimmt er uns bei sonnigen und liedhaften Stücken wie „Brightly“ an die Hand, um jeden einzelnen Sonnenstrahl einzeln aufzusaugen, oszilliert das achtminütige „ Before The Dawn“ um ein episches, nicht enden wollendes Orgelmotiv, das sich nach und nach geisterhaft ins Zwielicht drängt.
Gardner wechselt auf „Hypnophobia“ lange Instrumentalpassagen mit verwaschen klingenden Gesangsparts. Das ohnehin schon ausufernde „Before The Dawn“ und das darauf folgende Titelstück spielen hier die Paraderollen. Gardners schlierender Gesang versetzt den Hörer in eine Art Dämmerzustand, lässt ihn aber eben nicht einschlafen. Vielmehr setzt er Erinnerungen frei, die sich wie Motten zum flüchtenden Licht hinwenden und irgendwann verblassen: „Memories of moments fade away/ Forget the things you see, before you wake“.
„Hypnophobia“ erscheint zunächst wie ein harmlos dahinplätscherndes Psych-Pop-Album, dem so ein wenig das letzte Quäntchen Druck und Zugriff fehlt. Die Songs sind, trotz aller instrumentalen Vielfalt, sich in weiten Teilen sehr ähnlich und der verblichen scheinende Sound erzeugt nur wenige Ecken und Kanten. So kommt es, dass es einiger Durchgänge bedarf, um Song von Song zu trennen, die einzeln und für sich genommen deutlich weniger verschwommen und halbdunkel erscheinen. Doch dann verliert sich wiederum so ein wenig der dämmrige Zauber des gesamten Werks. So ist „Hypnophobia“ weder ein Bangemacher noch ein Beruhiger, doch für eine hübsche Gedankenreise im Morgengrauen oder Abendrot durchaus empfehlenswert.


