Joanna GruesomePeanut Butter
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Label:
Caroline
VÖ:
08.05.2015
Referenzen:
Evans The Death, Veronica Falls, Perfect Pussy, Menace Beach, Talulah Gosh
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Autor: |
| Klaus Kuhlenbeck |
„We tried to make it shorter, more economical, and attempted to pack as many hooks and screams in as quickly possible in order to avoid short changing the consumer or wasting her/his time“, sagt Sänger und Songschreiber Owen Williams über „Peanut Butter”, das zweite Album von Joanna Gruesome. Das Ergebnis dieser Vorgabe sind zehn scheppernd schöne Songs in etwas mehr als 20 Minuten und eine Platte, die ziemlich genau drei Sekunden braucht, um auf Betriebstemperatur zu kommen.
Zunächst ein paar grundsätzliche Worte: Bandnamen, die eine Abwandlung anderer Künstlernamen darstellen, sind selten bis überhaupt nicht lustig und lassen auf Schnapsideen schließen, die vermutlich frühen Proberaumtagen entsprungen sind und für deren Korrektur offenbar der richtige Zeitpunkt verpasst wurde. Diesen Umstand ignorierend erwarten den Hörer im Falle von Joanna Gruesome besagte gut 20 Minuten, prall gefüllt mit hochmelodischem Noisepop in C86-Tradition, durchzogen von Wutausbrüchen und diversen Punkrockelementen britischer Prägung.
Nach ihrer Debüt-LP „Weird Sister“ aus 2013 und einigen Singles und EPs veröffentlichten Joanna Gruesome im letzten Jahr auch noch unter anderem eine sehr gelungene Coverversion von Galaxie 500s „Tugboat“ und eine Split-EP mit Perfect Pussy. Kennengelernt – so die Legende – hat sich das Quintett in einem Wutbewältigungskurs in seiner Heimatstadt Cardiff. Ob dieser Kurs letztendlich von Erfolg gekrönt war, darf angesichts von Songtiteln wie „I Don’t Wanna Relax“ und reichlich angehäufter Wut in textlicher und musikalischer Form bezweifelt werden. Insgesamt dominieren bei Joanna Gruesome aber Pop und Spaß, womit es sich medizinisch gesehen wohl eher um ein vertontes Tourettesyndrom als um permanente Aggressionszustände handelt.
Das Konzept, zerbrechliche Popmelodien in Lärmattacken einzubetten, ist natürlich nicht neu und wurde unter anderem von den frühen My Bloody Valentine schon längst perfektioniert. Joanna Gruesome verstehen es aber außerordentlich gut, eine ziemlich heterogene Bandbreite von Stilelemente so ineinander zu flechten, dass es sowohl erstaunlich schlüssig klingt und gleichzeitig immer wieder überraschend ist. Zu kaum einem Zeitpunkt auf der Platte ist absehbar, was hinter der nächsten Strophe lauert: Ein Buzzcocks-Gitarrenriff („Honestly Do Yr Worst”), ein Grindcore-Schlagzeugintro („I Don’t Wanna Relax”) oder doch der nächste von Alanna McArdle traumhaft gesäuselte Melodiefetzen (jeder Song).
Das einzige, was man der Platte vorwerfen kann, ist auch das, was man hyperaktiven Kindern gerne nahelegen möchte: Runterkommen und Luftholen wäre ab und zu nicht schlecht. Denn gerade wenn „Hey! I Wanna Be Yr Best Friend” den Anlass gibt zu denken „schöne Ballade mitten auf der Platte!“, ist in Wirklichkeit schon der letzte Song erreicht und der ganze Zauber fast vorbei. Bis zum nächsten Mal.


