CalexicoEdge Of The Sun
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Label:
City Slang
VÖ:
10.04.2015
Referenzen:
Giant Sand, Iron And Wine, The Jayhawks, Creedence Clearwater Revival, 16 Horsepower, Townes Van Zandt, Lambchop
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Autor: |
| Felix Lammert-Siepmann |
„No“, meinte der Kollege aus Mexiko, den ich im Zuge des Essen-Konzertes von Godspeed You! Black Emperor bei mir einquartiert hatte, nonchalant. Calexico sei nun wirklich nicht die Band, die die Seele der Grenzregion zwischen den USA und Mexiko verkörpere. Zu selbstgefällig und berechnend seien diese Yankees. Danach empfahl er mir einiges von der südlichen Seite der Grenze. Und siehe da: Zu speziell für den geneigten Mitteleuropäer, die Band um Joey Burns und John Convertino bleibt das Einfallstor in diese faszinierenden Melange aus Staub, zerbrochenen Träumen und Lebensfreude schlechthin.
So ist ein neues Calexico-Album immer ein ganz besonders erhabenes Ereignis. Die Verschmelzung zweier Kulturen wird so zugänglich, massentauglich und respektvoll wie bei kaum einer anderen Band zelebriert. Die Gästeliste untermauert genau diesen Anspruch. Neko Case, Amparo Sanchez und Ben Bridwell von Band Of Horses – Sam Beam gehört ja sowieso schon fast zum Inventar – beispielsweise stehen für eine enorme Bandbreite, vor allem aber auch für das Gute, das Harmonische in der Musik. „Edge Of The Sun“ will dabei von Beginn an keine Weiterentwicklung sein, sondern untermauert vielmehr den bisherigen Weg der Band. Und der besteht aus großartig kleinen Geschichten, feurigem Tex-Mex und cineastischen Landschaftsbildern.
Interessanterweise bringt das inzwischen achte Album der Band mit dem merkwürdig geglätteten Eröffnungsstück „Falling From The Sky“ einen der poppigsten Songs ihrer Historie mit sich. Als solle der vertraute Wüstensand von jetzt auf gleich hinweggepustet werden, drängeln sich die Trompeten ungeduldig in den Vordergrund, können jedoch dem für Calexico-Verhältnisse zu breitbeinigen Bierzelt-Charme letztlich leider zu wenig entgegensetzen. Schon das nachfolgende und staubtrockene Roots-Statement „Bullets & Rocks“ rückt das Album aber wieder ins vertraute Licht. Verführerisch tastet sich die Band durch sämtliche Facetten ihrer Geschichte und bestätigt ein ums andere Mal die hohen Erwartungen, die Album für Album in sie gesetzt werden.
Das Patentrezept ist schon lange gefunden, auch „Edge Of The Sun“ muss man einfach sympathisch finden. Das eine oder andere A-Ha-Erlebnis bleibt da nicht aus: Das aufbrausende „Beneath The City Of Dreams“ erinnert frappierend an „Crystal Frontier“, den größten und vielleicht einzigen Hit der Band, auch das hitzige Instrumental „Coyoacán“ ist so oder ähnlich schon mehr als einmal gespielt worden. Böse sein mag man Calexico deshalb nicht – dafür ist das breite Grinsen im Gesicht einfach zu groß.


