LiturgyThe Ark Work
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Label:
Thrill Jockey
VÖ:
03.04.2015
Referenzen:
Deafheaven, Blut Aus Nord, Swans, These New Puritans, Krallice
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Autor: |
| Carl Ackfeld |
Ja, ich mag Musik. Ich diskutiere auch gerne über Musik. In der Regel schreibe ich auch gerne über das Gehörte. Doch Liturgys drittes Album „The Ark Work“ hätte fast dafür gesorgt, dass mir keine Zeile eingefallen wäre, die dem angenommenen Kern des Albums irgendwie gerecht geworden wäre.
Ganz der Idee Hunter Hunt-Hendrix‘ von einem „Transcendental Black Metal“ entsprechend, erschließt sich auf „The Ark Work“ die mutmaßliche Musik nur schleppend. Sicher, die pseudopastorale „Fanfare“ gleich zu Beginn öffnet das Tor in eine quasi sakrosankte Welt, die irgendwo auf der Suche nach greifbarer Musikalität eine Schwelle zu überschreiten versucht. Dazu bemühen sich Liturgy um Anspruch und Wirkung, benennen Titel mit mythischen oder mystifizierten Titeln, die vor allem aufgrund ihrer Vielfältigkeit weniger wie traditierte Relikte denn wie wahllose Überlieferungen ohne kulturellen Zusammenhang wirken.
Im Gegensatz dazu bilden die einzelnen Stücke allerdings durchaus eine musikalische Verbundenheit, die vor allem motivisch begründet ist. Die Fanfaren vom Albumbeginn werden durch das folgende „Follow“ durchgeschleust und finden sich schließlich im wuchtigen „Kel Valhaal“ wieder, das sich wie auch das später folgende „Haelegen“ zumindest nordischer Kennzeichung bedient. Auch einzelne typische Black-Metal-Elemente werden vor allem in den längeren Passagen einzelner Stücke aneinander angelehnt, so dass sich gemeinsam mit den zumeist kryptischen Textfragmenten eine Art Beziehung bilden würde. Leider erreichen Liturgy aber eben auch nur dann diesen spannenden Beziehungsmoment, wenn sie jeglicher Konsequenz trotzen und sich komplett aus dem eigenen auferlegten Kosmos eines nicht fassbaren, unbegreifbaren Black Metal entfernen.
Hunt-Hendrix spielt wie auch in seinem verschriftlichten Konvolut mit einer Themenspanne, die in der musikalischen Ausgestaltung ebenfalls ihre Opfer findet. Seien es schamanistische Beschwörungsformeln, die sich durch geballte Repetition ins Hirn einbrennen und mit quälender Dudelsackmanie für Wahnsinn sorgen, der das Denken einen Moment aussetzen lässt wie im unendlich scheinenden „Reign Array“, oder das lärmige „Quetzalcoatl“, das zumindest einen Hauch von Black-Metal-Vorstellung älterer Schule zulässt. „Vitriol“ wiederum erschafft seine Transzendenz durch Monotonie in Reinstform, die stimm- und lautgetragen einem östlichen Mantra gleichkommend gebetsmühlenartig ins Bewußtsein drängt.
Abwechslung erfreut, mag es in der Regel heißen. Sicherlich umfasst Hunt-Hendrix‘ dritter Streich einen schwer faßbares und in seiner Wirkung nahezu einzigartiges musikalisches Zusammentreffen, in seiner Gesamtheit schwächt sich aber „The Ark Work“ selbst, da dessen einzelne Teile stärker sind als ihre gemeinsame Erscheinung. Ich mag Musik, nach „The Ark Work“, vielleicht sogar noch ein bisschen mehr. Als Erfahrung bekommt „The Ark Work“ jede Auftourenliebe dieser Welt, für die Musik allerdings nur die Mittelwertung.


